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Ausblick

Daß „ethnische Identitäten“ von Relevanz für die Zeitgenossen waren und auch heute häu noch sind, ist – auch angesichts der jüngsten Ereignisse auf dem Balkan – nicht zu bestreiten. Sie fungierten durch den Glauben an eine gemeinsame Kultur und an eine gemeinsame Abstammung als wichtige „Bindemittel“ sozialer Gruppen wie z. B. der frühmittelalterlichen Traditions¬kerne und waren deshalb nichts weniger als irrelevant. Dennoch spielten sie im Alltag der meisten Menschen höchstens eine zweitrangige Rolle und gewannen besondere Relevanz nur in bestimmten, als offen bzw. unsicher oder krisenhaft empfundenen Situationen. Da „Ethnizität“ aufgrund ihres flexiblen, gruppenspezifischen Charakters an beinahe jedem Sachgut haften kann – oder eben nicht, bereitet ihre auch nur vage Identifizierung im archäologischen Material erhebliche, bislang ungelöste methodische Probleme.
Dabei bleibt zu beachten, daß – wenn „ethnische Identitäten“ sich materiell niedergeschlagen haben sollten – die dazu benutzten Elemente nur eine sehr kleine Auswahl umfaßten, die angesichts der zahlreichen gemeinsamen Merkmale größerer Kulturräume unbedeutend blieb. Die einseitige Orientierung auf kulturelle Phänomene führt leicht dazu, den Blick auf die prägenden sozialen Strukturen frühgeschichtlicher Gesellschaften zu vernachlässigen. Sozial-, wirtschafts- und kulturgeschichtliche Analysen bilden jedoch die zentralen Aufgaben archäologischer Forschung, weil sich vor allem diese langfristigen Entwicklungen aus dem Fundgut erschließen lassen.
Zusammenfassung
Die Identifizierung archäologischen Fundmaterials mit den „Vorfahren“ antiker oder mittelalterlicher „Stämme“ und moderner Staatsnationen besitzt bekanntermaßen eine lange Tradition. Ihren Hintergrund haben diese Versuche im nationalen Diskurs des 19. und 20. Jahrhunderts, der „Volk“ und „Kultur“, schließlich auch „Sprache“ und Rasse“ als zentrale Begriffe in den Mittelpunkt rückte. Diese vier Kategorien verstand man als kongruente, nach innen homogene und nach außen scharf abgrenzbare „Einheiten“. Demgegenüber betont die sozialwissenschaftliche und historische Forschung den flexiblen, situativen Charakter von „Identitäten“, die als „Gemeinsamkeitsglauben“ (Max Weber) soziale Gruppen konstituieren. Aus dieser Sicht ist nach alternativen Erklärungen anstelle einseitig „ethnisch“ fixierter Interpretationen zu fragen, die ahistorisch unveränderliche Gruppen voraussetzen. Dies stellt sowohl für die frühgeschichtliche als auch für die prähistorische Archäologie eine Herausforderung dar und sollte zu einem dynamischeren Bild der Vergangenheit beitragen, das sich auf die v. a. strukturgeschichtlichen Aussagemöglichkeiten archäologischer Quellen stützt.
Ethnic identity as a construct of early-historic archaeology
Abstract
The identification of archaeological finds with the “ancestors” of antique or medieval “tribes” and modern nation states has, as is well-known, a long tradition. The background of these attempts is the national discourse of the 19th and 20th centuries which focussed attention on “people” and “culture” and also, in the end, on “language” and “race” as central concepts. These four categories were understood to be congruent, internally homogenous, externally sharply-bounded “units”. In contrast, sociological and historical research emphasises the flexible, situational character of “identities” which, as belief in commonality or “Gemeinsamkeitsglauben” (Max Weber), constitute social groups. From this perspective, alternative exations must be sought for one-sided, “ethnic” fixed interpretations, which assume the existence of ahistorical, unchanging groups. This creates a challenge for both early-historic as well as for prehistoric archaeology and should contribute to a more dynamic image of the past, one which – above all – is supported by the structural-historical interpretative possibilities of archaeological sources.

C.M. – S.
Identités ethniques comme constructions de l’archéologie protohistorique
Résumé
L’identification des trouvailles archéologiques avec les "ancêtres" de "souches" antiques ou médiévales ou des états-nations modernes a notoirement une longue tradition. Ces tentatives dans le discours („discours”) national des XIX-XXème siècles ont leur arrière- où „peuple” et „culture” mais aussi „langue” et „race” sont placés au centre en temps que concepts fondamentaux. Ces quatre catégories ont été comprises comme des „unités” coïncidentes, homogènes au-dedans et précisément délimiles au-dehors. La recherche sociologiques et historique oppose à acela le caractère flexible, „dépendant de la situation” du concept d’”identités” qui, en tant que „Gemeinsamkeitsglauben” (Max Weber), constituent des groupes sociaux. De ce point de vue doit se poser la question des explications alternatives plutôt que des interprétations „ethniques” fixées et exclusives qui supposent des groupes anhistoeiques immuables. Ceci représente un défi aussi bien pour l’archéologie protohistorique que préhistorique et deait contribuer à donner une image plus dynamique du passé qui s’appuierait principalement sur les possibilités d’expression de l’histoire structurelle des sources archéologiques.