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Kohle

Kohle

Definition: Kohle ist die zusammenfassende Bezeichnung für alle kohlenstoffreichen festen Brennstoffe, die durch (thermische) Zersetzung (Verkohlung) organischer Stoffe entstanden sind (z.B. Holz - Kohle). Im eigentlichen Sinne bezeichnet man als Kohle die brennbaren Überreste von Pflanzen und anderen organischen Substanzen, die über das Stadium des Torfs in langen geologischen Zeiträumen durch den Vorgang der Inkohlung in braune bis schwarze Sedimentgesteine verwandelt wurden. Von Kohle spricht man, wenn die brennbare Substanz mehr als 50% ausmacht; einen geringeren Gehalt haben die Brandschiefer, mit Kohle - Substanz durchsetzte Schiefertone.

Entstehung und Einteilung: Nach Art der organischen Ausgangsstoffe unterscheidet man Humus - und Sapropel - Kohlen, zwischen denen aber Übergänge bestehen. Humus - Kohlen sind aus dem Lignin und der Cellulose von Pflanzen hervorgegangen, Sapropel - Kohlen (Bitumen - Kohlen) aus den Eiweiß- und Fettstoffen des Faulschlamms. Die Humus - Kohlen machen über 80% aller Kohlen aus. Nach dem Inkohlungsgrad und anderen damit in Zusammenhang stehenden Merkmalen teilt man die Kohlen in zwei Gruppen ein, Braunkohle und Steinkohle, diese wiederum in verschieden Arten. Bei der Weichbraun - Kohle (von Baumstümpfen und Baumstämmen durchsetzt) unterscheidet man erdige (weiche) und stückige Sorten, bei der Hartbraun - Kohle die schwarzbraune, dichte Mattbraun - Kohle und die schwarze, harte, durch muscheligen und glänzenden Querbruch charakterisierte Glanzbraun - Kohle (letztere wird in Bayern Pech - Kohle genannt). Die einzelnen Arten der Steinkohle (mit zunehmenden Inkohlungsgrad) sind: Flamm - Kohle, Gasflamm - Kohle, Gas - Kohle, Fett - Kohle, Eß - Kohle, Mager - Kohle und Anthrazit. Im englischen Sprachgebrauch (ähnlich auch im französischen) werden Weich - und (z.T.) Mattbraun - Kohlen als Lignit (im dt. Sprachgebrauch frühere Bezeichnung für den Xylit, die Holzsubstanz der Weichbraun - Kohle) bezeichnet, Glanzbraun - Kohle als subbituminöse Kohle, Steinkohle (außer Anthrazit) als bituminöse Kohle.

Die Sapropel - Kohlen entwickelten sich aus Faulschlamm (Sapropel) und faulschlammähnlichen Schlammablagerungen (Gyttja) nährstoffreicher Seen. Sie entstanden unter ständigem oder zeitweisem Sauerstoffabschluß und bilden meist nur flözförmige Einlagerungen in der Braun - oder Steinkohle. Zu diesen Sapropel - Kohlen gehören die blättrig - schiefrig ausgebildeten Blätter - oder Papier - Kohlen (Dysodil), die derbe, mattglänzende Kerzen - oder Kännelkohle, die aus reinen Algenablagerungen entstandene Bogheadkohle und der tiefschwarze, dichte, polierfähige Jet oder Gagat. Aus Wachs, Harz, Blatthäuten und Pollen, also schwer verweslichen Pflanzenbestandteilen, gingen die Liptolithe hervor. Ihr wichtigster Vertreter ist die Schwefel - Kohle; sie tritt in der Form von Bänken oder Streifen in der Braunkohle auf. Die reinste Form der Liptolithe stellt die Wachs - Kohle (Pyropissit) dar; sie bildet knollen- und nesterförmige Einlagerungen in Schwefelkohlenflözen. Auch der Bernstein, ein fossiles Harz, kann hierzu gerechnet werden.

Bei mikroskopischer Untersuchung lassen sich unterschiedliche Gefügebestandteile unterscheiden, die Hinweise auf die Materialien geben, aus denen die Kohlen entstanden sind, und auch Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung (und damit die Eignung der Kohle zur technischen Verwendung) zulassen. Derartige Gefügebestandteile, die Mazerale, treten meist vergesellschaftet, in streifenförmigen Lagen angeordnet auf und bilden in unterschiedlicher Zusammensetzung die Streifenarten oder Mikrolithotypen.

Kohle tritt in Form von mehr oder weniger dicken Schichten, den Flözen auf, die in Sedimentgesteinsschichten eingelagert sind; sie können bis über 50m, bei Braun - Kohle bis über 100m mächtig sein. 29888otu65ynv3r

Flöze, die für den Abbau von zu geringer Mächtigkeit sind, nennt man Schmitze. Die durch tektonische Beanspruchung in der Stein - Kohle entstandenen Klüfte nennt man Schlechten.

Die Struktur der Kohle, eingelagerte Baumstümpfe und Wurzeln unter anderem lassen erkennen, daß die meisten Kohle - Vorkommen aus waldreichen Flachmooren oder Sumpfwäldern sowie Riedmooren durch Vermoderung (Zersetzung der Pflanzenstoffe unter teilweisem Sauerstoffzutritt) und vor allem Vertorfung (Zersetzung unter anfänglichem Sauerstoffzutritt und späterem völlige Luftabschluß) hervorgegangen sind. Die Mächtigkeit der Kohle - Lager läßt auf eine üppige Vegetation, d.h. auch auf ein warmfeuchtes Klima (tropisch, subtropisch, seltener auch gemäßigt) schließen. Da unter der Einwirkung der Luft (Sauerstoff) Pflanzen verwesen, können so mächtige Torfschichten, wie sie in den großen Kohle - Vorkommen zugrunde liegen, nur entstanden sein, wenn die Moore über lange Zeit hinweg bei gleichem Grundwasserstand höher gewachsen sind; also muß sich der Untergrund ständig, rhythmisch oder zyklisch, gesenkt haben. Solche Senkungen sind typisch für die Vortiefen von Geosynklinalen; daher sind die Kohle - Becken oft gürtelartig ausgebildet. Man rechnet, daß die Bildung einer 1m mächtigen Schicht Braunkohle etwa 2500 - 5000 Jahre beanspruchte, einer 1m mächtigen Schicht Steinkohle etwa 10000 Jahre (wegen stärkeren Kompression).

Zusammensetzung von Kohle (deutsche Einteilung)

 
A
B
C
D
E
F
 
 
 
 
 
 
 
I
45 - 60
70 - 50
65 - 70
5 - 9
18 - 30
25100 - 26800
II
10 - 30
64 - 45
70 - 75
5 - 6
12 - 18
26800 - 28500
III
4 - 7
45 - 40
75 - 82
5,8 - 6,0
> 9,8
bis 32850
IV
3 - 6
35 - 40
82 - 85
5,6 - 5,8
9,8 - 7,3
bis 33900
V
3 - 5
28 - 35
85 - 87
5,0 - 5,6
7,3 - 4,5
bis 35000
VI
2 - 4
19 - 28
87 - 89
4,5 - 5,0
4,5 - 3,2
bis 35400
VII
2 - 4
14 - 19
89 - 90
4,0 - 4,5
3,2 - 2,8
35400
VIII
1 - 3
10 - 14
90 - 91,5
3,75 - 4,0
2,8 - 2,5
bis 35600
IX
< 2
6 - 10
> 91,5
< 3,75
< 2,5
bis 36000
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Erläuterungen:

A = Wassergehalt (frisch gefördert) in % I = Weichbraunkohle tn888o9265ynnv

B = flüchtige Bestandteile in % II = Hartbraunkohle

C = Kohlenstoff *) in % III = Flammkohle

D = Wasserstoff *) in % IV = Gasflammkohle

E = Sauerstoff *) in % V = Gaskohle

F = Heizwert in kJ/kg VI = Fettkohle

VII = Eßkohle

VIII = Magerkohle

IX = Anthrazit

*) In wasser- und aschefreier Substanz

Viele Kohle - Vorkommen (z.B. die des Ruhrgebiets) zeigen einen Wechsel von einzelnen Kohle - Flözen und marinen Sedimenten (Sande, Tone). Diese paralischen Kohlen sind in Küstennähe entstanden; zeitweise war die Senkung des Landes so stark, daß das Meer die Moore überflutete; limnische Kohlen nennt man dagegen die Kohlen, die in Becken innerhalb eines Festlandes, ohne Einfluß des Meeres, gebildet wurden (z.B. die Steinkohle des Saarlandes). In tektonischen Gräben und Becken, wie im Rheinischen Braunkohlenrevier und im französischen Zentralmassiv (paläozoische Stein - Kohle), können, manchmal auch durch unterirdische Salzauslaugung bedingt, besonders mächtige Kohle - Vorkommen gebildet werden.

Alle Humus - Kohlen sind praktisch unter völligem Luftabschluß durch Vertorfung entstanden; man nennt sie auch autochthon, da die Moorpflanzen am Bildungsort der Kohlen gewachsen sind, wie Wurzelböden und aufrechtstehende Baumstümpfe zeigen. Die Sapropel - Kohlen dagegen sind allochthone Bildungen; sie sind aus zusammengeschwemmtem Pflanzenmaterial entstanden (wirre Lagerung, viele Gerölle und Sandkörner). Da dieses lange Zeit der Luft ausgesetzt war, besteht es nur aus den widerstandsfähigeren Bestandteilen wie Sporen, Blatthäuten, Harzen und Wachs.

Kohle - Vorkommen sind über die ganze Erde verbreitet; sie entstanden vor allem im Jungpaläozoikum (Karbon, Perm) und im Tertiär, aber auch im Mesozoikum (z.B. Kreide). Die ältesten Kohle - Bildungen stammen bereits aus dem Präkambrium, so der aus Algen gebildete “anthrazitische” Schungit, die ältesten Kohle - Flöze aus dem Oberdevon (Bäreninsel). Voraussetzung war die Entwicklung höherer Sporenpflanzen: in den oberkarbonischen Waldmooren vor allem baumförmige Farnpflanzen (Sigillarien u.a. Bärlappengewächse, Calamiten und Farne) sowie Samenfarne und Cordaites. Die Steinkohlenwälder der Südhalbkugel (Gondwana) zeigen den Einfluß der permokarbonischen Vereisung (Glossopterisflora). Wichtigste Torfbildner der tertiären Braun - Kohlen waren Angiospermen - Koniferen - Mischwälder; an den feuchtesten Standorten u.a. Wasserfichten, Erlen und Farne. Da die jungpaläozoische Kohlen eine längere Bildungsperiode durchlaufen haben und meist von mächtigen Deckschichten überlagert wurden, handelt es sich bei ihnen meist um Stein - Kohle, bei den tertiären Kohlen dagegen meist um Braun - Kohle; es gibt aber auch karbonische Braun - Kohle (z.B. im Moskauer Becken) und tertiäre Steinkohle (z.B. in Japan, vulkanischer Einfluß). Die geringe Mächtigkeit der Deckschichten bei Braunkohle läßt meist den Tagebau zu, deren große Mächtigkeit bei Stein - Kohle erfordert in der Regel den Tiefbau (Ausnahme z.B. in Simbabwe). Mit den heute verfügbaren Verfahren ist Kohle (Steinkohle) bis zu einer Tiefe von etwa 1500m abbaubar (z.B. in Ibbenbüren; mittlere Tiefe im Ruhrgebiet heute etwa 900m). Um noch tiefer liegende Kohle (in der Bundesrepublik Deutschland über 300 Mrd. t Steinkohle)nutzen zu können, wird eine Untertagevergasung erprobt. Die gesamten geologischen Kohle - Vorkommen der Erde werden auf 6914 Mrd. t (1988) Steinkohle und 5082 Mrd. t Braunkohle geschätzt, die wirtschaftlich gewinnbaren Vorräte auf 566 Mrd. t Steinkohle und 426 Mrd. t Braunkohle (auf Steinkohleeinheit umgerechnet: insgesamt 782 Mrd. t). Von den wirtschaftlich gewinnbaren fossilen Brennstoffen macht Steinkohle 52%, Braunkohle 21% aus. 1987 wurden auf der Erde insgesamt 3,42 Mrd. t Steinkohle (davon gelangten 345 Mio. t in den Welthandel) und 1,24 Mrd. t Braunkohle gefördert.

Chemische Zusammensetzung: Die chemische Zusammensetzung der Kohle ist äußerst kompliziert. Bei der Steinkohle liegen nur 10% des Kohlenstoffs frei vor; der Rest ist in einem Verbindungsgemisch enthalten, das vor allem aus aliphatischen und aromatischen Kohlenwasserstoffen besteht, in denen außer Sauerstoff zum Teil auch Schwefel und Stickstoff chemisch gebunden sind. Bei Braunkohle bestehen die organischen Bestandteile aus dem Bitumenanteil (vor allem Harze und Wachse) sowie aus Huminstoffen. Daneben enthält jede Kohle anorganische, unverbrennbare Ballaststoffe (Aschebestandteile, >Berge<): außer Tonmineralen und Quarzkörnern unter anderem diagenetisch ausgeschiedene Carbonat - und Pyritkristalle (der Schwefelgehalt stammt zum Teil aus dem Eiweiß der Pflanzen, zum Teil von Schwefelbakterien) sowie Flözknollen (“Coalballs”) von Torfdolomit, Calcit und Kohleneisenstein (Siderit, in limn. Kohlen).

Gelegentlich sind Anteile von Metallen (Kupfer, Uran) vorhanden, von wirtschaftlicher Bedeutung kann Germanium sein. Das in den Kohle - Flözen enthaltene Grubengas (hauptsächlich Methan) ist bei der Inkohlung frei geworden, die Kohlensäure größtenteils zugewandert (vulkanischen Ursprungs).

Wirtschaftliche Bedeutung:

Braunkohleförderung und -vorräte der bedeutendsten Förderländer

 
Förderung in Mio. t
 
Vorräte1) in Mrd. t
 
1960
1980
1985
1980
 
 
 
 
 
ehem. DDR
226
258
312
25
ehem. UdSSR
138
164
160
129
Bundesrepublik Deutschland
96
130
121
35
ehem. Tscheslowakei
58
95
102
3
ehem. Jugoslawien
21
45
69
17
USA
3
41
63
116
Polen
9
37
58
24
Australien
15
33
37
34
Rumänien
8
27
36
2
Griechenland
3
23
35
3
 
 
 
 
 
Welt
642
1007
1195
-
 
 
 
 
 
  1. Wirtschaftlich gewinnbar

Braunkohle: Wesentliche Bedeutung hat die Braunkohle als Brennstoff in der Elektrizitätserzeugung, zum Teil auch als Hausbrand; als Rohstoff spielt sie ansonsten kaum eine Rolle. Wegen ihrer bröseligen Beschaffenheit sowie des hohen Wassergehalts (45 - 60%) und aufgrund des immer ungünstiger werdenden Verhältnisses von Abraum zu Braunkohle fallen die Transportkosten immer stärker ins Gewicht, so daß rohe Braunkohle nur in ortsnahen Kraftwerken verfeuert wird. Für Hausbrand, Versand, Verschwefelung und Vergasung wird Braunkohle getrocknet (bis 15% Wassergehalt) und in schweren Stahlpressen zu Briketts geformt. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Brikettproduktion in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Rund 95% der Braunkohle werden im Rheinischen Braunkohlerevier abgebaut, weitere 3 bis 4% im Helmstedter Revier. 1985 waren rund 20000 Personen im Braunkohle - Bergbau beschäftigt, davon allein rund 17000 bei den >Rheinischen Braunkohlenwerke AG< - einer Tochtergesellschaft der von der öffentlichen Hand kontrollierten >Rheinisch - Westfälischen Elektrizitätswerk AG< - deren Braunkohle Förderung (1985) 114 Mio. t betrug.

Für die ehemalige DDR war die Braunkohle der wichtigste Energieträger. Über vier Fünftel der Elektrizität wurden durch Braunkohle erzeugt. 1985 (1960) wurden 50,1 (60,0) Mio. t Braunkohle - Briketts (vor allem für Hausfeuerung) produziert. In Österreich wurden 1985 (1970) in den sieben (15) Betrieben des Braunkohle Bergbaus mit rund 3200 (6200) Beschäftigten zusammen 3,1 (3,7) Mio. t Braunkohle gefördert.

Steinkohle: Steinkohle wurde schon in der Antike erwähnt und vereinzelt für Schmiede- und Gießarbeiten verwendet; die Römer benutzten in Deutschland und England Steinkohle zum Heizen. In England stammt der erste schriftliche Nachweis von Steinkohle von 833 (seit dem 12. Jh. wichtigstes Handelsgut), in Belgien von 1195. Im Ruhrgebiet wird Steinkohle mindestens seit dem 13. Jh. abgebaut (Erstnennung 1298), im Saarland seit dem 15. Jh., in Schlesien (Waldenburger Gebiet) seit dem 16. Jh. Anfangs wurde im Ruhrgebiet nur zutagetretende Steinkohle in Löchern (Pingen) und Gräbern gewonnen, seit Mitte des 15. Jh. in kleinen Schächten (Pütten), seit Mitte des 16. Jh. durch Stollenbau, seit Mitte des 19. Jh. durch Tiefbau. Die rasche Entwicklung hing sowohl von der Bergbautechnik (unter anderem Einführung der Dampfmaschine für die Förderung und Wasserhaltung Ende des 18. Jh.) wie von der Verwendung der Steinkohle als Hausbrand und vor allem für gewerbliche Zwecke ab: unter anderem Verkokung (1640 erfunden), Massenproduktion von Eisen und Stahl, Kohlevergasung (seit Mitte 19. Jh.), Kohleverflüssigung (seit 1913), Kohlechemie.

Vor allem infolge der Nachfrage nach Steinkohle in den Entwicklungs- und den Schwellenländern steigt die weltweite Förderung stetig. Wegen der Regionalisierung der Märkte werden nur knapp 10% der jährlichen Förderung von 3000 Mio. t international gehandelt. Die größten Exporteure und potentielle Anbieter sind Australien, die USA, die Republik Südafrika, die Nachfolgestaaten der UdSSR, Kanada, Polen und China. Aufgrund der sozioökonomischen Umbruchsituation in den ehemaligen Staatshandelsländern ist das mittelfristige Angebot dieser potentiell kohlereichen Staaten nur schwer einzuschätzen. Der Weltkohlepreis wird vor allem durch die Transportkosten sowie die Grenzkosten der Förderung der USA bestimmt, die bei steigendem Preis kurzfristig 120 bis 200 Mio. t Steinkohle für den Export bereitstellen können. In Deutschland betrug die Förderung (1991) 66,1 Mio. t (davon 78% aus dem Ruhrgebiet, 14% aus dem Saarland). Eingeführt wurden (1991, alte und neue Bundesländer) 16,8 Mio. t, vor allem aus der Republik Südafrika (5,5 Mio. t), Polen 84,4 Mio. t), den USA (1,4 Mio. t) und Australien (1,35 Mio. t). Die Verdrängung von Steinkohle durch Erdöl und Erdgas führte seit Ende der 1950er Jahre zu einem >Zechensterben<. Die Zahl der Schachtanlagen sank von (1957) 153 auf (1991)26, die der Bergleute unter Tage von 384000 auf 65000. Aufgrund der geologischen Bedingungen ist deutsche Steinkohle trotz Rationalisierung (1957 bis 1991 Verdreifachung der Förderung pro Schachtanlage) gegenüber Importkohle etwa um das Zweieinhalbfache teurer. Seit den 60er Jahren wird der deutsche Steinkohle - Bergbau aus regional- und energiepolitischen Gründen durch verschiedene Instrumente (Importkohlekontingentierung sowie Jahrhundertvertrag und Hüttenvertrag, Kohlepfennig) unterstützt. Im November 1991 wurden von der >Kohlerunde< (Bundesregierung, NRW- und saarländische Regierungen, Tarifparteien) weitere Beihilfen und Anpassungsmaßnahmen beschlossen: Zechenstillegung, Beschäftigungsreduzierung um 40000 Stellen, Fortführung des Jahrhundertvertrages bis Ende 1995 mit 40,9 Mio. t SKE (SteinKohleEinheit) pro Jahr, Verlängerung von Steinkohle - Verstromung und Steinkohle - Verhüttung bis zum Jahr 2005. Nach der ersten Erdölpreiskrise von 1973/74 schien die Steinkohle, die auch als Rohstoff in der chemischen Industrie Erdöl vollständig ersetzen kann, wieder an Bedeutung zu gewinnen. Das Scheitern der OPEC - Hochpreispolitik Mitte der 80er Jahre aber beendete in der damaligen EG (im Gegensatz zur Republik Südafrika) kostspielige Projekte wie z.B. die Kohleverflüssigung. Die Größe der Reserven (in Deutschland geschätzt 24 Mrd. t) legt für die Energieerzeugung eine vermehrte Nutzung auch gerade in den ölabhängigen Industrieländern nahe. Allerdings hat Steinkohle nach Braunkohle bei den fossilen Energieträgern bezüglich des Schwefel- und Kohlendioxidgehaltes die höchsten Emissionswerte, was gegen den verstärkten Einsatz von Kohle spricht. Daneben ergeben sich besonders für den deutschen Steinkohle - Bergbau durch den EU - Binnenmarkt neue Bedingungen, da das bisherige Subventionssystem durch die EU in Frage gestellt wird.

Steinkohleeinheit: Energiegehalt verschiedener Brennstoffe
 
 
1 t Steinkohlenkoks = 0,97 t SKE