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Satirische Aspekte im Bühnenwerk - Friedrich Dürrenmatts

Bundesgymnasium, Bundesrealgymnasium und Wirtschaftskundliches Realgymnasium

1210 Wien, Franklinstraße 26

Reifeprüfung Haupttermin 03/04

Satirische Aspekte im Bühnenwerk

Friedrich Dürrenmatts

aufgezeigt anhand einiger ausgewählter Werke

Verfasst von Ulrike Koch

Fach: Deutsch

Prüfer und Betreuer: Herr Mag. Gerald Kurz


Inhaltsverzeichnis

 1. Einleitung 32. Eine gesellschaftskritische Satire 6

Der Besuch der alten Dame3. Ökonomischer Verfall satirisch dargestellt 12

Frank der Fünfte4. Satirische Beleuchtung des Theaterlebens 24

Dichterdämmerung 5. Der „satirische“ Untergang der Welt 31

5.1. Porträt eines Planeten

5.2. Untergang und neues Leben.....................................................376. Zusammenfassung 447. Persönliche Stellungnahme zu dieser Arbeit 468. Bibliografie 479. Erklärung 50


1. Einleitung

Der „Grundstein“ für das Thema dieser Fachbereichsarbeit wurde gelegt, als ich mir eines Tages, nachdem ich einen Großteil der Dramen Dürrenmatts gelesen hatte, die Frage stellte, ob es eine Möglichkeit gibt, die satirischen Aspekte, die mir aufgefallen waren, näher zu untersuchen. Ich beschloss dies im Rahmen meiner Reiferprüfung durchzuführen.

Zunächst mussten geeignete Werke gefunden werden. Nach einer analytischen Lektüre beschloss ich die Werke „Der Besuch der alten Dame“, „Dichterdämmerung“, „Frank der Fünfte“, „Porträt eines Planeten“ und „Untergang und neues Leben“ zu wählen. Nicht nur in den Dramen benutzt Dürrenmatt eine satirische Ausdrucksweise, auch in den Prosawerken ist sie vertreten. Bei der Auswahl der Werke beschränkte ich mich auf jene, in denen die satirischen Aspekte am stärksten ausgeprägt sind. Die Werke sind chronologisch geordnet, außer „Porträt eines Planeten“ und „Untergang und neues Leben“, da in beiden Werken das selbe Thema verarbeitet wird und ich aus Verständnisgründen beide zusammengefasst habe.

Ich wählte die Werke Friedrich Dürrenmatt, da es sich bei ihm um einen meiner Lieblingsdramatiker handelt. Ich finde sein gesamtes Werk hochinteressant. Doch muss dazu gesagt werden, dass Friedrich Dürrenmatt, der ein bedeutender Autor für die Gegenwart und vor allem für die Schweizer Literaturszene ist, als unbequemer Mensch gilt. Der Leser erfasst seine Bücher häufig mit Unbehagen, Ratlosigkeit und Missverständnissen. Dürrenmatt wird von vielen als Moralist unserer Zeit betrachtet, aber man vermisst den Ernst, das Schöne, Wahre und Tiefe. Man bedauert, dass das Tiefgründige, das er zu sagen hat, durch deplazierte Späße ins Lächerliche gezogen wird. Doch gerade diese Späße empfinde ich persönlich als wertvolles Stilmittel, das es in dieser Arbeit zu untersuchen gilt. 11979xbo88vje1x

Dürrenmatt sagte selber zu dazu:

Mein größter Fehler, das klingt jetzt sehr paradox, ist, dass ich nicht festzulegen bin. […] Ich bin ein zu eigenwilliger Denker, um eigentlich ein Dramatiker mit Breitenwirkung zu sein, und wo ich sie habe, beruht sie auf einem Missverständnis.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Rolle die Satire in Dürrenmatts Werk einnimmt. Dieser Aspekt soll hier schon einmal kurz umrissen werden.

In den zahlreichen Interpretationen und auch bei den Interviews und Selbstzeugnissen von Dürrenmatt selbst werden immer wieder die Stichworte „absurd“, „paradox“ und „grotesk“ erwähnt. Ihre Bedeutung hingegen, ist nicht genau definiert.

Diese Begriffe werden zwar in fast allen Sekundärschriften zu Friedrich Dürrenmatt erwähnt, jedoch geht keiner der Autoren näher auf sie ein. Und jene die es tun, prägen die Begriffe mit ihrer subjektiven Wahrnehmung. Auch die Übereinstimmung der Autoren mit diesen Begriffen lässt zu wünschen übrig. bj979x1188vjje

Für Friedrich Dürrenmatt ist das Paradoxe geradezu ein Schlüsselbegriff, der vor allem in den Aufsätzen und Reden immer wieder vorkommt. Sein Denken, so schrieb er in den „Theaterproblemen“, kommt ohne den Begriff des Paradoxen gar nicht mehr aus.

Dürrenmatt sagte einst in einem Interview:

Ich bin ein Autor des Grotesken, aber nicht des Absurden; das Absurde habe ich nicht gern, weil es heißt – sinnlos. Ich empfinde diese Welt als grotesk, aber nicht als absurd. Ein Unterschied.

In dieser Arbeit soll aber auch analysiert werden, welche Themen Friedrich Dürrenmatt in seinen Werken satirisch betrachtet. Die Palette reicht dabei von der Beleuchtung des Theaterlebens bis hin zu Auseinandersetzung mit ökonomischen Bedingungen. Doch nicht nur einzelne Themen werden verarbeitet, sondern auch Einzelschicksale, wie das von der Figur Alfred Ill in dem Werk „Der Besuch der alten Dame“.

Ein weiterer, wesentlicher, Aspekt, der hier untersucht werden soll, ist die Art und Weise, wie Friedrich Dürrenmatt die satirischen Elemente eingebaut hat. Die Frage nach dem Warum ist dabei die wichtigste. Was wollte er damit bezwecken? Setze er die satirischen Aspekte zur Verfremdung ein, wie Brecht es in ähnlicher Art und Weise getan hat? Diese Fragen sollen im Laufe der Arbeit erörtert werden.


2. Eine gesellschaftskritische Satire

Der Besuch der alten Dame

1955 entstand die tragische Komödie „Der Besuch der alten Dame“, die, neben dem Werk „Die Physiker“, wohl zu den bekanntesten Stücken Friedrich Dürrenmatts zählt.

Dürrenmatt schrieb dieses Theaterstück, nachdem seine Frau Lotti Geißler sich einer Operation unterziehen hatte müssen. Er fuhr daher jeden Tag von Neuchâtel nach Bern und wieder retour. Eigentlich wollte er das Werk „Mondfinsternis“ vollenden, änderte dies jedoch ab und schuf den „Besuch der alten Dame“.

Auf seiner täglichen Reise zu seiner Ehefrau hielt der Zug auch in Ins und Kerzers, zwei kleinen Städtchen:

[...] wodurch man gezwungen ist, die beiden kleinen trostlosen Bahnhöfe zu betrachten. ungeduldig über den Unterbruch, wenn er auch nur ein, zwei Minuten dauert; Minuten, die sich für mich lohnten, kam ich doch durch sie wie von selbst auf die erste Szene. [...]

Das Stück erzählt von Claire Zachanassian, geborene Klara Wäscher, einer hübschen jungen Frau, von Alfred Ill geschwängert, die in die Stadt flüchtet und dort „zur Hure heruntergekommen, dann durch mehrere Heiraten und Witwenschaften zur Milliardärin aufgestiegen.“ Sie kehrt zurück in ihre Heimatstadt Güllen, ein verarmtes und verwahrlostes kleines Städtchen, irgendwo auf der Welt. Die Einwohner der kleinen Stadt erhoffen sich, dass die Milliardärin ihrer ehemaligen Heimatstadt hilft und sie mit einer Geldspende wirtschaftlich unterstützt. Die alte Dame will auch spenden und zwar eine Milliarde, aber nur wenn die Bürger ihr den ehemaligen meineidigen Verräter Ill tot ausliefern: „Sie will Rache, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung. “

Am Anfang sind die Bürger entsetzt und appellieren an ihre Menschlichkeit, doch sie antwortet nur:

Die Menschlichkeit [...] ist für die Börse der Millionäre geschaffen, mit meiner Finanzkraft leistet man sich eine Weltordnung. Die Welt machte mich zur Hure, nun mache ich sie zu einem Bordell. Wer nicht blechen kann, muss hinhalten, will er mittanzen. Ihr wollt mittanzen. Anständig ist nur, wer zahlt, und ich zahle. Güllen für einen Mord, Konjunktur für eine Leiche. [...]

In dieser Aussage steckt viel Wahrheit. Die Menschen beschäftigen sich nur mehr mit Geld, fast alles ist käuflich. Claire Zachanassian zeigt mit ihrer Ausführung, dass man, wenn man etwas werden will, Geld benötigt. Auch eine kleine Stadt, will sie eine Konjunktur ihrer Wirtschaft erreichen, ist bereit dafür über Leichen zu gehen.

Dies erinnert an ein weiteres Bühnenwerk Friedrich Dürrenmatt nämlich „Frank der Fünfte“. Dort sind die Angestellten und Inhaber der Bank bereit dazu, für Geld alles zu tun.

Als Claire Zachanassian am Bahnhof ankommt, stellt sie einige Fragen, die zunächst nur verwundern. Ein gutes Beispiel dafür ist das Gespräch mit dem Pfarrer:

CLAIRE ZACHANASSIAN: Ei, der Pastor. Pflegen sie Sterbende zu trösten?

DER PFARRER verwundert Ich gebe mir Mühe.

CLAIRE ZACHANASSIAN Auch solche, die zum Tode verurteilt wurden?

DER PFARRER verwirrt Die Todesstrafe ist in unserem Lande abgeschafft,

gnädige Frau.

CLAIRE ZACHANASSIAN Man wird sie vielleicht wieder einführen.

Alles was hier zunächst verwirrend erscheint, wird am Ende des Stückes geklärt. Doch eine ironische Spitze wird all diesen Reden der Zachanassian hinzugefügt, nämlich dass ausgerechnet Alfred Ill sich darüber am meisten amüsiert.

Die Bürger rechnen schon vorab mit dem Geld der Milliardärin und verschulden sich immer mehr:

ILL Du hast neue Schuhe. Gelbe neue Schuhe.

DER ZWEITE Nun?

ILL blickt nach den Füßen des Ersten Auch du, Hofbauer. Auch du

hast neue Schuhe. Er blickt nach den Frauen, geht zu ihnen, langsam, grauenerfüllt. Auch ihr. Neue gelbe Schuhe. Neue gelbe Schuhe.

DER ERSTE Ich weiß nicht, was du daran findest.

DER ZWEITE Man kann doch nicht ewig in den alten Schuhen

herumlaufen.

ILL neue Schuhe. Wie konntet ihr neue Schuhe kaufen?

DIE FRAUEN Wir ließen’s aufschreiben, Herr Ill, wir ließen’s

aufschreiben.

ILL Ihr ließet’s aufschreiben. Auch bei mir ließet ihr’s aufschreiben.

Besseren Tabak, bessere Milch, Kognak. Warum habt ihr denn auf einmal Kredit in den Geschäften?

DER ZWEITE Bei dir haben wir doch auch Kredit.

ILL Womit wollt ihr zahlen?

Schweigen. Er beginnt die Kundschaft mit Waren zu bewerfen. Alle flüchten.

ILL Womit wollt ihr zahlen? Womit wollt ihr zahlen? Womit? Womit?

Schussendlich wird Ill von den Bürgern Güllens getötet und von Claire Zachanassian nach Capri mitgenommen.

Das Drama basiert auf zwei Handlungen, „der kollektiven, fortschreitenden der Güllner Gesellschaft und der privaten analytischen des Ill “. Da das Werk zu den erfolgreichsten Friedrich Dürrenmatts zählt, wurde es vielfach analytisch betrachtet.

Dabei bemerkte ein deutscher Soziologe, dass die außerordentliche Besonderheit dieses Dramas darin liegt, dass eine Gemeinde zu einer dramatischen Figur wird. Eigentlich spielt das Werk zwischen Ill und der Bürgschaft von Güllen. Die alte Dame ermöglicht nur das Geschehene.

„Der Besuch der alten Dame“ ist eine satirische Gesellschaftsstudie bitterster Art, das Werk bedient sich vieler Symbole, die oft subtil, aber sehr wirksam sind.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Namensgebung der Stadt. Güllen bedeutet in der Schweiz Jauche. Dürrenmatt nannte nicht zu unrecht diese Stadt Güllen. Im Laufe der Geschichte erkennt man, wie sehr sich die Bürger diesen Namen verdienen. Sie verraten einen angesehenen Bürger und töten ihn sogar. Und wofür machen sie das alles? Für Geld. Man könnte wahrlich behaupten, dass diese Stadt diesen Namen zu Recht verdient.

Doch man könnte die Namensgebung auch anders interpretieren. Auch Gülle war einmal Nahrung. Vielleicht meinte der Autor auch damit, dass sich die Bürger in Laufe der Geschichte zu einer anderen Art von Gülle entwickelt haben. Früher waren sie gute Menschen und nur der Lauf der Dinge hat sie zu dem gemacht, was sie am Ende sind.

Aber nicht nur die Bezeichnung der Stadt spielt eine Rolle, sondern auch die Namensgebung der Bürger. Nur Alfred Ill und Claire Zachanassian werden namentlich erwähnt. Die anderen erscheinen nur als „Der Lehrer“, „Der Bürgermeister“ oder ganz extrem als „Der Erste“ oder „Der Zweite“. Dies zeigt den Verlust der Individualität, die Anonymität in der Masse tritt in den Vordergrund. Eine andere Interpretationsmöglichkeit wäre, dass die Figuren dadurch austauschbar werden.

Auch die satirische Symbolik fehlt in diesem Stück nicht, was man an der „Platz-an-der-Sonne-Hütte“ sieht. Der schöne Name verspricht viel, doch diese Hütte ist zerfallen. Auch der „Goldene Apostel“ zerfällt, der Gips bröckelt ab und die Einrichtung löst sich auf. Dieses Gasthaus kann man auch als Symbol für den Verfall der Stadt Güllen ebenso wie für den der menschlichen Werte sehen. Die äußere Fassade bröckelt dabei ab.

Als Ill und die Milliardärin sich zusammensetzen und ihre alten Liebesplätze aufsuchen, will er ihr auf ihre Schenkel schlagen, verletzt sich jedoch an den Scharnieren ihrer Prothesen. Sie sitzen im Konradsweilerwald und erzählen sich von der Zeit, nachdem Claire Zachanassian Güllen verlassen hat:

ILL Du wirst uns helfen?

CLAIRE ZACHANASSIAN Ich lasse das Städtchen meiner Jugend

nicht im Stich.

ILL Wir haben Millionen nötig.

CLAIRE ZACHANASSIAN Wenig.

ILL begeistert Wildkätzchen! Er schlägt ihr gerührt auf ihren linken

Schenkel und zieht die Hand schmerzerfüllt zurück.

CLAIRE ZACHANASSIAN Das schmerzt. Du hast auf ein Scharnier

meiner Prothese geschlagen.

[...]

ILL Wäre doch die Zeit aufgehoben, mein Zauberhexchen. Hätte uns

doch das Leben nicht getrennt.

CLAIRE ZACHANASSIAN Das wünschest du?

ILL Dies, nur dies. Ich liebe dich doch! Er küsst ihre rechte Hand.

Dieselbe kühle weiße Hand.

CLAIRE ZACHANASSIAN Irrtum. Auch eine Prothese. Elfenbein.

ILL lässt entsetzt ihre Hand fahren Klara, ist denn überhaupt alles

Prothese an dir!

CLAIRE ZACHANASSIAN Fast. Von einem Flugzeugabsturz in

Afghanistan. Kroch als einzige aus den Trümmern. Bin nicht umzubringen.

An dieser Szene erkennt man die kritische Auseinandersetzung Dürrenmatts mit der Entwicklung der heutigen Zeit. Alles ist austauschbar geworden, sogar der Mensch. Es gibt fast nichts mehr, was nicht durch Maschinen oder irgendwelche Konstruktionen ersetzt werden kann. Dies hat nicht nur negative Aspekte. Durch die moderne Chirurgie konnte schon oft ein Menschenleben gerettet werden oder Menschen, die durch einen Unfall ihre Gliedmaßen verloren haben, können mit Prothesen ein normales Leben führen.

Das Negative zeigt sich vor allem daran, dass durch die heutige Technisierung viele Arbeitsplätze gefährdet sind. Eine Maschine ist oft besser als der Mensch, macht weniger Fehler, wird nicht müde. Doch die Frage, die bleibt, ist, was passiert, wenn es zu einem Stromausfall kommt.

Auch aus dem Gespräch der Bürger hört man die Hoffnungslosigkeit heraus, die das ganze Städtchen befallen hat:

DER BÜRGERMEISTER Meine Herren, die Milliardärin ist unsere

einzige Hoffnung.

DER PFARRER Außer Gott.

DER BÜRGERMEISTER Außer Gott.

DER LEHRER Aber der zahlt nicht.

DER MALER Der hat uns vergessen.

Die Hoffnungslosigkeit der Bürger erfasst aber auch den Bereich der Religion. Der Grund dafür ist, dass die Bürger falsche Erwartungen Gott gegenüber haben. Dürrenmatt zeigt damit aber auch, dass die Menschen nicht mehr an Gott glauben, da sie ihn nicht in ihre materielle Vorstellungskraft einbauen können.

Claire Zachanassian kommt nicht allein, neben ihrem Ehegatten, ihrem Butler und den zwei Blinden hat sie auch einen schwarzen Panther mitgebracht, der ihr aber entläuft. Das Grotesk-Symbolische daran ist aber, dass sie Ill frührer als ihr „Schoßhündchen“ oder ihren „schwarzen Panther“ bezeichnet hat. Der schwarze Panther wird erschossen und liegt tot vor Ills Ladentür, Ill wird ebenfalls getötet. Die Jagd auf den Panther läuft parallel zu der Jagd auf Ill.

Bei einer Versammlung im Gasthof „Goldener Apostel“ wird Ill zum Tode verurteilt, doch nicht direkt, sondern mit umschreibenden Worten, da Presse-, Rundfunk- und Filmleute ebenfalls anwesend sind. Diese wissen über den bisherigen Ablauf nicht Bescheid, sondern gehen von einer Schenkung aus. Die Abstimmung im „Goldenen Apostel“ wird, ohne auf Ill Rücksicht zu nehmen, wiederholt, da eine technische Panne passiert. Doch vieles kann nicht exakt repetiert werden, wie zum Beispiel der Ausruf Ills „Mein Gott!“, der von den Presseleuten als Schrei der Freude gedeutet wird. Die Gemeinde kann ihre Worte ohne Probleme wiederholen, doch Ills Aufschrei bleibt unwiederholbar, da es der einzige echte Ton dieser Szenerie ist, und nicht wie von der Gemeinde eine hohle Phrase.

Paradox ist auch, dass Ill getötet wird, während die Gäste der Presse einen Imbiss einnehmen. Eine ähnliche Situation gibt es schon vorher, als Ill gejagt wird, während die Milliardärin frühstückt. Vor den Presseleuten wird Ills Tod als Tod aus Freude ausgegeben. Ein Pressemann deutet die ganze Situation sogar so:

DER BÜRGERMEISTER Tod aus Freude

PRESSEMANN I Tod aus Freude.

PRESSEMANN II Das Leben schreibt die schönsten Geschichten.

Diese Aussage zeigt sehr deutlich, wie viel von der Presse verändert wird, was aber teilweise auch daran liegt, dass diese nicht die nötigen Informationen erhält oder diese nicht kritisch hinterfragt. Für die Presse ist der Tod Ills nur einen Kommentar in einer Klatschspalte wert. Oder die ganze Tragödie wird zu ihrer Headline und damit werden wichtige, auch politische Geschehnisse in den Hintergrund verfrachtet.

Eine ähnliche Kritik an der Arbeit der Presse findet man in Heinrich Bölls „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, wo eine junge Frau an den Machenschaften einer Zeitung zerbricht, da sie dank dieser kein normales Leben mehr führen kann.


3. Ökonomischer Verfall satirisch dargestellt

Frank der Fünfte

Im Jahre 1958 entstand Friedrich Dürrenmatts Werk „Frank der Fünfte“. Es trägt den Untertitel „Oper einer Privatbank“, wobei Dürrenmatt diesen Untertitel 1980 in „Komödie einer Privatbank“ umänderte.

Frank V. ist der Chef einer Privatbank, deren Devise lautet, nie ein ehrliches Geschäft abzuwickeln. Kunden und auch Mitarbeiter, die auf ihr Recht bestehen beziehungsweise die drohen, die dubiosen Geschäftsabwicklungen zu verraten, werden kaltblütig ermordet. Jedoch hat Frank V. das Geschäft seiner Urväter in den Ruin gezogen. Er beschließt daher seinen Tod vorzutäuschen, damit er mit seiner Gattin Ottilie einen friedlichen Lebensabend genießen kann. Das Ehepaar rechtfertigt sich auch für seine Taten:

FRANK V Was wir getan haben, haben wir für unsere Kinder getan.

Es wird viel über Bankgeschäfte gesprochen und auch gesungen, jedoch erfährt man als Zuseher nur von drei der dubiosen Taten, der Rest wird nicht näher erläutert. Hervorhebenswert ist dabei, dass die drei Bankgeschäfte, von denen berichtet wird, auch noch misslingen.

Die Situation spitzt sich jedoch zu, als die Bank von einer unbekannten Person erpresst wird. Die Angestellten müssen nun ihr Privatvermögen der Bank spenden, um zu deren Rettung beizutragen: „Wer sich weigert wird erschossen. “ Am Schluss stellt sich heraus, dass der Sohn von Frank V., von dem die Eltern angenommen haben, dass er über die dubiosen Bankgeschäfte nichts weiß, der Erpresser ist. Er will als Frank der Sechste gemeinsam mit seiner Schwester Franziska an die Macht.

Dürrenmatt sagt selbst über die Hauptfigur Frank V:

[...] Nur ist Frank der Fünfte ein Ungeheuer besonderer Art, ein Verbrecher aus Feigheit, der sich in die Welt des Geistes flüchtet, um dort seine Ruhe zu finden, [...].

[...] Frank ist die Gestalt eines Menschen in einer Welt, in der einer den anderen umbringt und in der man seine Handlungsweise so rechtfertigt: damit es unsere Kinder besser haben, den Idealen zuliebe – eben dem Geschäft zuliebe.

Auffällig an diesem Stück ist, dass jede der mitspielenden Figuren einen Namen trägt. Dies ist bei Friedrich Dürrenmatt ja nicht die Regel, wie man zum Beispiel bei „Der Besuch der alten Dame“ oder „Untergang und neues Leben“ sieht.

Zudem ist dieses Werk das erste, in dem sich Friedrich Dürrenmatt zentral mit dem Thema Wirtschaft und Geld auseinandersetzt. Man merkt gewisse Ansätze beim „Besuch der alten Dame“, wo die Bürger einer Kleinstadt morden, um Geld von der Milliardärin zu bekommen. Auch in dem Prosatext „Grieche sucht Griechin“ schneidet Dürrenmatt das Thema an, jedoch bleibt es ein Randthema.

Eine weitere Besonderheit in diesem Drama sind die Lieder, die Friedrich Dürrenmatt verwendet. Es kam ihm der Gedanke, dass die Welt in der wir leben nicht mehr mit den Mitteln zu beschreiben war, mit denen Shakespeare einst beschrieb. Er meinte eine andere Sprache, andere Verfremdungen und Verzerrungen zu benötigen

Dürrenmatt sagte selbst:

Ich kam vom Wunsche nicht mehr los, etwas Wildes, Groteskes, Shakespearehaftes zu schreiben, ein Stück für die Gegenwart.

Es lockte ihn das Abenteuer, das Chanson als dramaturgisches Mittel einzusetzen, darüber hinaus meinte er auch, dass ohne diese „Frank der Fünfte“ keine Handlung hätte.

Dürrenmatt stellte selbst einmal über das Stück fest, dass es keine politischen Themen behandle. Er wolle damit nur zeigen, dass die meisten Menschen seiner Zeit als Angestellte in Firmen und Banken tätig sind, teilweise seien sie sogar verheiratet mit ihrem Geschäft.  

Ein wesentlicher Aspekt dieses Dramas besteht darin, wie Dürrenmatt den Untergang der Privatbank beschreibt. Dabei spielen die satirischen Elemente eine große Rolle.

Im zweiten Abschnitt des Dramas unterhält sich Frank V. mit einem Pfarrer, da er befürchtet bald sterben zu müssen:

PFARRER MOSER Mein Sohn.

FRANK V. Beichten.

PFARRER MOSER Ich höre, mein Sohn

FRANK V. Ich habe die Witwen und Waisen zu wenig unterstützt.

PFARRER MOSER Nicht der Rede Wert.

FRANK V. Die Armen und Obdachlosen.

PFARRER MOSER Nicht der Rede wert.

FRANK V Die Mohammedaner-Mission.

PFARRER MOSER Nicht der Rede wert.

Das Abstrakte an dieser Situation ist, dass der Pfarrer die Sünden Franks nicht für schwerwiegend hält. Der Pfarrer gehört vermutlich der protestantischen Glaubensrichtung an, da diese in der Schweiz sehr stark vertreten ist. Ähnlich wie in der katholischen Kirche gilt auch für diese Glaubensrichtung die Nächstenliebe als besonders hervorzuheben. Daher ist es sehr verwunderlich, dass der Priester die Beichte Franks so unberührt hinnimmt.

Auch wenn man die Szene weiterverfolgt, merkt man keine Seelenregung des Pfarrers. Hier besteht nun die Möglichkeit, dass er inzwischen so abgestumpft ist, dass es ihn nicht mehr kümmert, was seine Schäfchen treiben.

Eine andere Interpretationsmöglichkeit besteht darin, dass Pfarrer Moser ein Eingeweihter ist. Er kennt die dubiosen Geschäftsabwicklungen der Bank und wird von Frank nur pro forma gerufen, um zumindest den Anschein eines guten Willens zu zeigen.

Das erinnert ein wenig an Niccolo Machiavellis Werk „Il principe“, wo er beschreibt, wie ein Fürst zu leben hat. Ein Merkmal dabei ist, dass der Fürst sich zum Schein tugendhaft geben und auch hin und wieder wohltätig sein soll, ohne jedoch wirklich an die Barmherzigkeit zu glauben.

Man kann zwar Frank V. nicht direkt mit einem Fürsten vergleichen, doch bestehen einige Parallelen zu Niccolo Machiavelli, die von Dürrenmatt vielleicht bewusst eingebaut wurden.

Ein paar Szenen weiter beschließt Ottilie, Franks Ehefrau, einen neuen Angestellten einzustellen und sagt dabei Folgendes:

Päuli Neukomm. Du bist definitiv in unserer Bank aufgenommen.

Dein Einbruchsversuch war lobenswert, wenn auch dilettantisch geplant, der Tresorschlüssel tadellose Arbeit.

Auffallend ist, dass der neue Angestellt Päuli Neukomm nur deswegen die erhoffte Arbeit bekommt, weil er in der Bank einbrechen wollte. Diese Aussage Ottilies ist sehr paradox, da kein Arbeitgeber eine Person einstellen würde, die schon in der Probezeit das Unternehmen bestiehlt.

Ottilie nennt Neukomms Einbruchsversuch lobenswert, was darauf schließen lässt, dass sie in diesem Metier einiges an Erfahrung gesammelt hat. Sonst könnte sie nicht wissen, wie ein lobenswerter Einbruchsversuch aussieht. Man könnte dies in der Hinsicht deuten, dass die Bank der Verbrecherszene nahe steht.

Kurze Zeit später erfährt Neukomm, dass sein tot geglaubter Arbeitgeber Frank V. noch am Leben ist und dass dessen Sarg mit der Leiche eines Freundes beerdigt worden ist:

Häberlin Doch Heini Zurmühl wollte uns erpressen.

Kappeler Wir mussten ihn umlegen.

Schmalz Ich. Im Keller.

Päuli Mörder.

Frank V. Geschäftsleute in Bedrängnis, mein Sohn.

Bei dieser Szene kristallisiert sich deutlich die Bedeutung einer Redewendung heraus: für etwas über Leichen gehen. Die Angestellten, aber auch die Besitzer dieser Bank, dürften diese Redewendung stark verinnerlicht haben. Sie morden um Erfolg zu haben, um ihre Bank zu unterstützen und um möglichst viel Gewinn zu machen. Man hat das Gefühl, als wäre ihnen nichts heilig, sie würden vermutlich sogar ihre Familie verraten, falls es nötig sein sollte.

Die anwesenden Personen erklären Neukomm auch, warum sie all diese dubiosen Geschäfte durchführen:

DIE EINEN Was wir schieben und erraffen

DIE ANDEREN Was erpressen wir und schaffen

DIE EINEN Morden, prellen und betrügen

DIE ANDEREN Wuchern, stehlen, hehlen, lügen

ALLE Tun wir nur, weil wir es müssen

Möchten Gutes tun. Doch eben

Wollen wir im Wohlstand leben

Müssen wir Geschäfte machen

Und in dieser rohen Welt

Hat der Arme nur zu lachen

Für sein Geld.

Sie rechtfertigen sich damit, dass sie es tun müssen. Auch sagen, oder besser gesagt singen sie, dass sie Gutes tun möchten. Die Frage dabei ist nur, ob der Weg, den sie gewählt haben der richtige ist.

Eine sehr treffende Aussage beinhaltet das Chanson, nämlich dass die Welt oft eine rohe Angelegenheit ist und dass vor allem arme Menschen, die nichts zu lachen haben, nur wegen des Geldes für diese Gefühlsregung zu haben sind.

Man könnte diesen Chanson auch als einen Angriff auf das Schweizer Bankwesen betrachten. Die Schweiz ist sehr stark mit Banken verknüpft, sie ist sogar berühmt dafür. Doch ein Merkmal daran ist auch, dass man in der Schweiz ein anonymes Nummernkonto haben kann. Folglich ist sie für dubiose Geldabwicklungen gut zu gebrauchen, vor allem die Mafia und Drogendealer erfreuen sich an diesem Vorteil. In letzter Zeit wurde auch bekannt, dass sogar Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands Geld auf einem Schweizer Nummernkonto gebunkert haben.

Doch mit der Schweiz wird nicht nur das Bankwesen assoziiert, sondern auch Wohlstand, der durch dieses entsteht. Man könnte sie sozusagen als Basis für den Wohlstand betrachten. Dieser wird auch in dem Chanson angesprochen.

In einer weiteren Szene sitzen die Angestellten der Frank’schen Bank in einem nahegelegenen Caféhaus und unterhalten sich. Der Personalchef Egli spricht mit einem der Schalterbeamten:

Herr Gaston Schmalz, ich sah dich gestern deinen alten VW parkieren. Du willst dich offenbar nicht in Schulden stürzen, sparen, unabhängig von uns werden, keine Widerrede, du schaffst dir nächste Woche einen Mercedes an, der dich am Rande des Ruins halten wird, wie es sich gehört.

Das Absurde an dieser Situation ist, dass der Personalchef von seinem Angestellten verlangt im Ruin zu leben, so wie es sich gehört. Er will nicht, dass es ihm gut geht und er mit seinem Geld so haushält, wie es vernünftig ist. Ihm ist es lieber wenn er ein Statussymbol, einen Mercedes zum Beispiel, besitzt, als wie einen VW, der als ein billigeres Auto gilt.

Doch dem Personalchef geht es auch darum, dass der Angestellte weiterhin abhängig ist von der Bank. Dieses bringt dem Unternehmen eine gewisse Macht über seinen Arbeitnehmer. Es geht aber auch um das Geschäft. Der Angestellte Gaston Schmalz benötigt für den Kauf eines Mercedes einen Kredit, den er sich bei der Bank leiht und diese verdient dann an ihm. Unwichtig ist, ob er das Statussymbol wirklich benötigt.

Dem Personalchef scheint es nicht wirklich zu kümmern, ob seine Angestellten ein gutes Leben führen und Spaß an ihrer Arbeit haben. In einem optimal geführten Unternehmen liegt es im Aufgabenbereich eines Personalchefs eben diese Anforderungen zu unterstützen und dafür Sorge zu tragen, dass es seinem Personal an nichts mangelt.

Diese Szene zeigt, wie sehr die einzelnen Personen in die Machenschaften der Bank verstrickt sind. Für sie zählt nicht die einzelne Person und deren Sorgen und Wünsche, sondern nur das Geld und die persönliche Bereicherung. Und wie vorher schon festgestellt, würden die Angestellten und Inhaber der Bank dafür über Leichen gehen.

Doch der Personalchef hat nicht nur an Schmalz etwas zu bemäkeln:

Brusttee, Vichywasser, Birchermüsli. Wie in einem Sanatorium geht’s

hier zu. In meiner Jugend, heiliger Bimbam, da war um diese Zeit die ganze Bande knallbesoffen. Kein Wunder. Wir waren noch Kerle. Doch ihr?

Das Abstrakte daran ist wieder, wie sehr doch die Stellenbeschreibung eines normalen Bankangestellten von den gezeigten abweicht. Normalerweise erwartet man sich von einem Bankangestellten, dass er höflich, kompetent und vor allem nüchtern ist. Dies ist ein von Dürrenmatt eingefügter Widerspruch, der zeigt, dass der Schein nach außen trügen und man nie wissen kann, wie es im Inneren, in der Persönlichkeit eines Menschen aussieht.

Auch die Meldung von Egli, dass sie damals alle noch Kerle waren, zeigt von Machogehabe. Das hingegen zeugt wieder von einem gewissen Rollendenken. Doch hier erkennt man in gewissen Graden das des Mannes. Ein echter Kerl ist schon am Vormittag „knallbesoffen“, wie es der Personalchef so beeindruckend formuliert. Ein echter Mann fährt einen Mercedes, veruntreut Geld und kümmert sich nicht um die Gefühle anderer.

Doch Eglis Rede endet nicht hier, er führt sie mit folgenden Worten weiter:

EGLI – bei euch drei Schalterbeamten auf eurem ruhigen Posten mit euren

kleinen Schwindeleien ist die Gefahr, ehrlich zu werden, riesengroß! Dann haben wir die Schlamperei! Etwas Disziplin, meine Herren, Herrgott noch mal, ist die Bank einmal liquidiert, könnt ihr meinetwegen allesamt in die Heilsarmee einrücken, aber bis dahin habt ihr Gauner zu bleiben, ich appelliere am euer Gewissen.

Das interessante an diesem Abschnitt ist, dass Egli es als Gefahr betrachtet, ehrlich zu werden. Für ihn zählt wirklich nur das Geld, sonst nichts. Er war vermutlich noch nie in seinem Leben ehrlich und anständig. Oder er war es, hat es aber, seit er bei der Privatbank angestellt ist verlernt. Er ist so verankert in diesem Schema, dass er gar keine Möglichkeit sieht zu anders leben. Ihm ist nichts anderes bekannt. Das Fazit, das man daraus ziehen könnte ist, dass man nur mit Gaunereien wirklich etwas verdienen kann.

Egli betrachtet es auch als nicht erfolgsversprechend, ehrlich zu sein. Man könnte sogar vermuten, es wäre für ihn eine Schande, einen Angestellten zu beschäftigen, der ehrliche Absichten hat. Doch all dem liegt, wie schon vorher erwähnt, die Wahrscheinlichkeit zu Grunde, dass er das Frank’sche Bankwesen und Denken so verinnerlicht hat, dass es für ihn als eine Art Ideologie gilt, die nicht mehr zu bezweifeln ist.

Der Personalchef appelliert an das Gewissen seiner Angestellten. Doch zieht er nicht die Möglichkeit in betracht, dass diese anders denken könnten als er und seinen Appell an die Unehrlichkeit negativ auffassen.

Ein Angestellter der Bank tritt vor und erklärt die verstrickten Machenschaften der Bank:

BÖCKMANN [...] Wir leben, leider Gottes, in einem Rechtsstaat. Uns fehlt

durchaus der fördernde Hintergrund einer allgemeinen Korruption, auf die wir uns berufen könnten, unsere Geschäftsmaximen sittlich zu untermauern. Wir können mit keinen bestochenen Finanzminister oder obersten Polizeichef aufwarten, nicht einmal mit bestechlichen Revisoren, nein, um uns herum herrscht die lauteste, brutalste Ehrlichkeit, mit gewissen Einschränkungen, möglich, doch nicht von uns feststellbar.[...]

Böckmann bedauert, in einem Rechtsstaat zu leben. Ihm wäre es lieber, die Bank könnte ohne Regelung ihren Geschäften nachgehen. Aus dem Zitat geht auch hervor, dass er sich einen bestechlichen Finanzminister und Polizeichef wünscht. Vermutlich wäre die Frank’sche Privatbank auch nie so tief gesunken, wären all diese Voraussetzungen gegeben.

Es wäre interessant zu wissen, wie der Staat aussehen müsste, in dem solch dubiosen Geschäftsbedingungen erlaubt wären. Es stellt sich nämlich die Frage, ob die Bank nicht trotzdem zugrunde gehen würde, da ja alle Geschäfte und Institutionen betrügen würden.

Faszinierend ist auch, dass Böckmann die Ehrlichkeit, die herrscht, als laut und brutal bezeichnet. Ehrlichkeit ist brutal und oft hart. Wenn man zu jemand ehrlich ist, stoßt man ihn meist vor den Kopf, verletzt seine Gefühle und kratzt sogar oft an seiner Würde. Doch laut? Eine Möglichkeit der Deutung dieser Aussage besteht darin, dass Böckmann damit eine versteckte Andeutung an die Medien weitergibt. Diese bringen nämlich oft die Wahrheit, zumindest so wie sie sie sehen. Auch wenn ein Skandal geschieht, wird dies aufgebauscht und der Öffentlichkeit lautstark mitgeteilt.

Einige Szenen weiter unterhält sich Frank mit seiner Ehefrau Ottilie. Er ist es leid, sich verstecken zu müssen und hadert mit seinem Leben:

FRANK V. Ich bin kein Bankdirektor, ich bin leider ein durch und durch guter

Mensch.

Nicht nur, dass Frank es bedauert ein guter Mensch zu sein, er sieht darin auch eine Beeinträchtigung hinsichtlich der Ausübung seines Berufes. Für ihn ergibt sich nur die Möglichkeit als Bankdirektor korruptiv zu sein, dubiose Geschäfte zu betreiben und andere zu betrügen. Frank scheint der Meinung zu sein, dass er als guter Mensch für die Tätigkeit als Bankdirektor ungeeignet ist.

Die einzelnen Angestellten treten zusammen und unterhalten sich über ihre dubiosen Bankgeschäfte. Sie zählen dabei jeweils auch auf, welche Leiden sie in Kauf nehmen, um der Bank zu dienen. Aus Platzgründen soll hier nur ein Beispiel genannt werden:

KAPPELER Als Niels Magen

Kopenhagen

Die Bilanz bezweifelt hatte

Packte ich ihn nicht in Watte

Schickte Gift der alten Ratte

Mit den Zweifeln war es Schluss

Ihr wurdet erlöst so

Doch ich? Darmverschluss!

Die einzelnen Personen versinken in Selbstmitleid, doch keiner bedauert seine Taten. Sie zählen die unterschiedlichsten Krankheiten auf, wie zum Beispiel eben Darmverschluss, Herzinfarkt, Impotenz, etc. Sie wollen damit vermutlich demonstrieren, wie viel sie von sich selbst hergegeben haben. Jeder Einzelne lebt in den Glauben, derjenige zu sein, der am meisten der Bank gedient hat, dem sie am meisten zu verdanken hat. Beweisen wollen sie dies eben mit ihren Krankheiten. Vermutlich sind sie auch der Meinung, dass die Kundgabe dieser, sie vor den anderen besser dastehen lässt.

Doch Dürrenmatt spricht damit ein Problem an, das jeder Angestellte kennt: die Stressbelastung im Berufsalltag. Diese führt oft zu den von den Angestellten genannten Krankheiten, doch kommen meist, wie hier nicht erwähnt, Rückenschmerzen und Augenbelastung, durch zu langes verweilen vor dem Computer, hinzu.

Ein anderer wichtiger Aspekt, der in diesem Chanson angesprochen wird, ist, dass jeder einzelne der Bankangestellten einen Mord begangen hat. Dies lässt sich hier aus Platzgründen nicht belegen, doch kann es in dem Werk nachgelesen werden.

Eine andere Interpretation liegt darin, wie eingebildet die Angestellten der Frank’schen Privatbank sind. Keiner denkt an den anderen oder sagt irgendein beruhigendes Wort. Nein, sie unterbrechen sich gegenseitig und schimpfen sogar, dass der andere ja nur eine Lappalie vorschürzt und gar nicht wirklich leidet.

Bei dieser Unterhaltung spricht auch wieder Egli, der Personalchef, zu seinen Angestellten und hält ihnen eine Moralpredigt:

EGLI [...] Pflichtbewusstsein, ihr Gauner, Kameradschaftsgeist, ihr Halunken,

Verantwortungsgefühl, ihr Mörder! [...]

Das Paradoxe an dieser Situation ist, dass Egli die genannten Eigenschaften Gruppen zuschreibt, von denen man es am wenigsten erwartet.

Gauner haben, wenn sie dem gängigen Stereotyp zugeordnet werden können, nicht besonders viel, man könnte sogar sagen, kein Pflichtbewusstsein.

Genauso wirft sich die Frage auf, wie viel Kameradschaftsgeist ein Halunke hat. Wie schon beim Gauner erwartet man sich auch hier keine Erfüllung des genannten Eigenschaftswortes. Wenn, dann erwartet man sich das genaue Gegenteil.

Am Absurdesten ist das Verantwortungsgefühl beim Mörder. Kein Mensch, wenn er ein Verantwortungsgefühl hat, würde einen Menschen töten. Denn dieses Gefühl sagt schon voraus, dass man sich um andere, ob Mensch oder Tier, kümmert und seine Pflichten wahrnimmt.

Natürlich können die einzelnen Eigenschaftswörter auch ausgetauscht werden. Auch ein Mörder hat kein Pflichtbewusstsein genauso wie ein Gauner kein Verantwortungsgefühl hat.

Die Bank gerät immer mehr in Bedrängnis das nötige Geld aufzutreiben, doch es gibt einen Lichtblick: Eine junge Dame hat sich gemeldet, die für die Bank arbeiten könnte. Doch zuvor berichtet der Personalchef von einer Person, die als möglicher Kandidat in Frage kam:

EGLI [...] Zwar erwies sich der Banknotenfälscher in Linz als eine Niete, der

Schuft ist ein ehrlicher Graphiker geworden, [...]

Das Groteske daran ist, dass Egli den Banknotenfälscher als Schuft bezeichnet, weil er Graphiker geworden ist. Er wusste nie, wie man einen ehrlichen Beruf ausübt. Für ihn zählt nur das Leben für die Frank’sche Privatbank. Wenn es nach ihm ginge, müssten wahrscheinlich alle Menschen Gauner und Betrüger sein. Die Ehrlichkeit des Graphikers entspricht nicht seinen Wertkategorien.

In diesem Drama erfährt man auch von zwei Geschäftsabwicklungen. Bei dem einen verkauft ein Angestellter einen Berg und erzählt dem Käufer, der sei voller Uranvorkommen, was jedoch gelogen ist. Doch wie das Schicksal so spielt, entdeckt der Käufer doch Uran in dem Berg und wird über Nacht reich. Er sucht den Verkäufer erneut auf, um ihn von seinem Glück zu berichten und erwähnt dabei Folgendes:

PIAGET [...] Das hochgradigste Uran weit und breit, großartig, Professor Stab

ist schon gestorben. Auch mich hat’s erwischt, bin überglücklich, [...]. In drei Wochen bin ich hin. Sehen Sie. Zieht den Hut, zeigt seinen Kahlkopf. Die Haare sind schon ausgefallen. Großartig. Die Glatze strahlt im Dunkeln. Leben Sie wohl, ich bin überglücklich, ich fahre nach Mailand zum Euratom und dann in die Grube.

Es ist absurd, dass sich ein Mensch so freuen kann, obwohl er bald sterben wird.

Man könnte sagen, der Käufer Piaget ist vor Freude über seinen plötzlichen Reichtum verrückt geworden. Für ihn zählt nur mehr das Geld. Sogar der Tod eines Professors, der ihn auf seinen Berg begleitet hat, kümmert ihn nicht. Vermutlich weiß er gar nicht, was er mit dem Geld alles machen soll. Doch das Groteske an dieser Situation ist, dass er trotz bevorstehenden Todes überglücklich ist. Es amüsiert ihn scheinbar sogar, dass er eine Glatze trägt, die sogar im Dunkeln leuchtet.

Dies könnte man in dem Sinne deuten, dass er nur auf das Geld fixiert ist und darüber alles andere vergisst.

Wenige Augenblicke später betritt eine Dame die Bühne, die ebenfalls von der Frank’schen Privatbank hereingelegt wurde. Doch auch bei ihr hat sich ihr Unglück in Glück umgewandelt. Ihre Pension, die eigentlich von einem Mitarbeiter der Bank hätte angezündet werden sollen, brannte von alleine nieder und die Versicherung, die auch unter der Frank’schen Leitung steht, musste zahlen.

Auch sie ist von ihrem Glück überfordert und sagt:

FRAU STREULI [...] Hurra, Verbrennungen ersten, zweiten, dritten Grades, Sie

sehen selber wie ich aussehe, ich leide grauenvoll, es ist prächtig, unsagbar, was ich durchmache. Ich juble sozusagen andauernd, kolossal, wie das brennt. Nicht zum Aushalten. Könnte vor Freude den Verstand verlieren und vor Schmerzen irrsinnig werden. [...]

Dieses Zitat kann parallel mit dem vorigen interpretiert werden, da auch hier die Dame sich nur mehr auf das Geld fixiert und auf nichts anderes mehr. Die Schmerzen sind für sie etwas nebensächliches, sie amüsiert sich nur über sie.


4. Satirische Beleuchtung des Theaterlebens

Dichterdämmerung

Im Jahre 1980 entstand das Drama „Dichterdämmerung“. Es handelt sich dabei um die dramaturgische Fassung des Hörspiels „Abendstunde im Spätherbst“, das 1956 von Friedrich Dürrenmatt verfasst wurde.

Im Anhang des Werkes sagte Dürrenmatt Folgendes zu der szenischen Umarbeitung:

Dem Autor war es klar, dass er diese Bearbeitung, die Parodie der Literatur, gleichzeitig in eine Parodie des Theaters erweitern müsse. Er legt im weiteren Wert darauf, zu bemerken, dass seine Meinung über die Kritik nicht so freundlich ist wie die, welche in diesem Stück geäußert wird.

Das Bühnenstück wird von Dürrenmatt nicht nur als Komödie betitelt, sondern auch als Nobelpreisträgerstück. Er nannte dieses Stück, und auch das Drama „Der Meteor“, Nobelpreisträgerstück, da in beiden ein Nobelpreisträger die Hauptrolle spielt. Bei beiden handelt es sich um einen Autor.

Die Handlung ist schnell erzählt: Ein Hobbydetektiv besucht den berühmten Schriftsteller Korbes und unterstellt ihm, dass alle Morde, die er in seinen Büchern beschrieben hat, wahr seien, von ihm ausgeführt. Der Schriftsteller streitet zunächst alles ab, tötet dann aber seinen Besucher und beschließt, seinen neuesten Roman über ihn zu schreiben.

In „Dichterdämmerung“ erörtert Friedrich Dürrenmatt öffentlich seine Meinung über seine Kritiker. In diesem Werk fertigte er besonders Hellmuth Karasek, Joachim Kaiser und Marcel Raich-Ranicki ab. Aber auch sonst sind rüde Äußerungen über Schriftstellerkollegen und Kritiker zu hören. Diese veröffentlichte er aber auch in seinen, größtenteils kritischen, Essays.

Die Personen in dem Stück haben, wie in vielen Werken Friedrich Dürrenmatts, keine Namen. Sie werden nur als „Der Autor“ oder „Der Besucher“ betitelt.

Eine weitere Besonderheit des Dramas ist die Art und Weise, wie Dürrenmatt satirische Elemente einbaut. Er kritisiert weniger die Gesellschaft, sondern mehr die Dramaturgen, Kritiker, Schauspieler, Bühnenbildner und zum Teil auch die Zuseher.

Zu Beginn des Bühnenwerks tritt der Autor auf und hält einen Monolog über das Stück und seine Beschaffenheit:

DER AUTOR [...] Wenn ich Ihnen schon eine wahre Geschichte

erzähle, [...], warum dann noch die Beschreibung des Ortes, stellte mir doch dazu die Direktion dieses Hauses eine ganze Bühne zur Verfügung, weder Kosten noch Mühe scheuend. [...]Die Gagen, [...], diese Gagen, wird geklagt, seien der Grund der immensen Defizite, die trotz der noch immenseren Subventionen die Direktion verzweifeln lassen. [...] Wenn sich der Vorhang hebt, werden Sie sehen, was der Direktion wirklich Kosten und Mühe bereitet und ihr Budget ruiniert: das Bühnenbild unseres weltberühmten Lothar Kegel. Es kostet das Theater eine Summe, gegen die meine Gage ein Trinkgeld ist, [...].

Der Vorhang öffnet sich und man sieht das Bühnenbild, das nur aus Drei- und Vierecken, Kuben und Kegeln und zusammengekegelten Kegelstümpfen und –schnitten besteht. Er fordert die Zuschauer auf, sich die Bühne wie ein normales Zimmer vorzustellen, in der ein Schriftsteller wohnt. Die Person stellt sich schlussendlich auch selber vor:

DER AUTOR [...] Ich bin eine der Hauptpersonen. [...] Maximilian

Friedrich Korbes, Romancier, Nobelpreisträger, usw. [...]

Der Besucher tritt auf, vom Autor angekündigt:

DER AUTOR Du bist von rechts gekommen?

DER BESUCHER [...] Ich gehe wieder.

DER AUTOR Unmöglich. Das Spiel hat schon begonnen. Du solltest

doch schon da sein.

DER BESUCHER Falsches Kostüm.

[...]

DER AUTOR Ich?

DER BESUCHER Ich. Du hast mich als einen alten Reisenden in

Versicherungen mit einer Mappe unter dem Arm beschrieben.

DER AUTOR Und?

DER BESUCHER Ich trete als Fußballspieler auf.

DER AUTOR Kegels Idee.

Dürrenmatt kritisiert damit, dass die Bühnenbildner und Regisseure die Künstler oft in zusammenhanglose Kleidung stecken, die nichts mit dem Stück zu tun hat. Auch die Darstellung des Bühnenbilds wird in modernen Werken oft völlig absurd ausgelegt und anstatt den getreuen Angaben der Dramatiker zu folgen, werden utopische Mittel eingesetzt.

Friedrich Dürrenmatt kritisiert außerdem, dass die Regisseure eines Stückes während der Proben wechseln, was zusätzliche Arbeit für die Schauspieler bedeutet, die sich oft auf völlig neue Vorgaben einstellen müssen:

DER BESUCHER Hat Altenstein angeordnet.

DER AUTOR Wer ist Altenstein?

DER BESUCHER Der Regisseur. Seit vier Wochen.

DER AUTOR Der Regisseur ist doch Weiberlein.

DER BESUCHER Nur die ersten zehn Wochen.

Das Interessante dabei ist vor allem, dass Dürrenmatt die Kritik am Theaterleben ohne besondere Hinweise in das Stück einfließen lässt. Die beiden Akteure unterhalten sich völlig ungezwungen auf der Bühne, ohne auf die Zuschauer zu achten. Dürrenmatt benutzt dieses besondere dramaturgische Mittel jedoch nicht nur in dieser Szene, sondern wendet sie im gesamten Stück an:

DER BESUCHER Dein „Setzen Sie sich“ ist gestrichen

DER AUTOR Von wem?

DER BESUCHER Von Altenstein.

DER AUTOR Weiberlein hat es nicht gestrichen.

DER BESUCHER Altenstein hat die Regie übernommen.

DER AUTOR „Setzen Sie sich“ habe ich gelernt. Ich lasse mir nicht

streichen, was ich gelernt habe. [...]

Wieder erkennt man sehr deutlich, dass Dürrenmatt das schnelle Wechseln zwischen zwei oder mehreren Regisseuren kritisiert, ebenso, dass manche Schauspieler sich so stur stellen, dass sie die Änderungen des Textes nicht annehmen, was manchmal eine Verbesserung des Stückes bedeuten kann.

Eine ebenfalls sehr interessante Szene ist, wo Dürrenmatt sich sozusagen selbst auf die Schaufel nimmt. Er kritisiert jedoch nicht sich selber, sondern die Autoren insgesamt. In diesem Stück diskutieren der dargestellte Autor und der Besucher gerade, ob Altenstein oder Weiberlein gerade den Saal verlassen hat.

DER AUTOR Weiberlein.

DER BESUCHER Ach wo! Der inszeniert doch in irgendeinem Nest

einen Dürrenmatt.

DER AUTOR Wird Dürrenmatt denn noch gespielt?

Er will damit vermutlich zeigen, dass auch Dramatiker sich selber nicht allzu ernst nehmen wollen. Oder er will damit ausdrücken, dass er von den Kritikern schon so sehr verrissen wurde, dass es manche schon als unglaublich betrachten, wenn er überhaupt noch gespielt wird.

Ein weiterer Autor, der sich wie Friedrich Dürrenmatt in seine Werke mit einbezieht ist Paulo Coehlo. Dieser erwähnt sich selbst, in einem Caféhaus sitzend, in dem Prosatext „Veronika beschließt zu sterben“. Coehlo wählte aber auch einen sehr interessanten Weg sich einzubauen, indem er ein eigenes Werk in einem anderen erwähnte. Dies ist bei „Elf Minuten“ zu finden, wo die Hauptfigur Maria ein Buch liest, das von Coehlo verfasst wurde.

DER AUTOR Sebastian! Sebastian!

DER SEKRETÄR Herr Korbes wünschen?

DER AUTOR Wie kommst du denn daher?

DER SEKRETÄR Als Bergsteiger.

DER AUTOR Auf einmal?

DER SEKRETÄR Anordnung Altensteins. Das Stück sei ihm zu hoch.

Diese Szene veranschaulicht deutlich, dass Dürrenmatt wohl schon öfters die Erfahrung gemacht hat, dass manche Regisseure die Stücke, die sie inszenieren sollen, nicht verstehen.

Doch auch die Schauspieler und ihre Arbeit betrachtet Friedrich Dürrenmatt kritisch:

DER AUTOR Dein Textbuch.

DER BESUCHER Unterbrich mich bitte nicht wieder. Ich bin textsicher.

DER AUTOR Ich weiß nicht. Vorhin sagtest du „unermessliches

Gewitter mit Regenschauer“ statt „unermesslicher Regenschauer eines Gewitters“.

DER BESUCHER Und du statt „Lieber Hofer, Sie reden sich da in eine

gewaltige Begeisterung hinein, „Lieber Hofer“, Sie reden sich in eine gewaltige Begeisterung hinein“. [...]

DER AUTOR Du bist pedantisch.

Diese Szene spielt darauf an, dass Schauspieler oft den Text ihres Dialogpartners besser können als ihren eigenen. Auch die pedantische Nötigung, den Text Wort für Wort wiederzugeben, wird dargestellt.

Außerdem wird in diesem Drama gezeigt, welche Abneigung Schauspieler oft gegenüber ihren Bühnenbildnern und Regisseuren haben:

DER AUTOR Sie war ja nicht nackt, sondern in einem reizenden

Bademantel von Kegel. Sieh nur im Manuskript nach. Wirft ihm das Manuskript zu.

DER BESUCHER Tatsächlich. Schüttelt den Kopf. Dieser Kegel! Ihr

nächstes Opfer?

DER AUTOR Kegel?

DER BESUCHER Die junge Dame.

Dürrenmatt kritisiert zudem, dass oft zu viele Dramaturgen an einem Stück arbeiten und es daher zu sehr verfälschen. Doch könnte man die dargestellte Szene auch so interpretieren, dass Dürrenmatt meint, dass ein Dramaturg alleine reicht, um ein Stück zu verändern und nicht im Sinne des Autors zu inszenieren. Friedrich Dürrenmatt mokiert sich auch darüber, dass Kritiker die verfälschten Dokumente der Dramaturgen loben, und nicht das Stück an sich, wie es der Autor geschrieben hat:

DER BESUCHER Du – jetzt sind vier gegangen.

DER AUTOR Waren überhaupt so viele im Saal!

DER BESUCHER Ein Miststück.

DER AUTOR Ein Konzept. Sieben Dramaturgen haben es bearbeitet

und Kaiser hat es in den Himmel gelobt.

DER BESUCHER Nur sieben Dramaturgen?

DER AUTOR Wir sind schließlich ein kleines Theater. [...]

In einer weiteren Szene merkt man, wie Dürrenmatt das Unverständnis mancher Regisseure und Bühnenbildner kritisiert:

DER AUTOR [...] Aber warum trittst du denn im Tiefseekostüm auf?

DER SEKRETÄR Steht im Manuskript. Anmerkung von Kegel:

„Sekretär kommt im Tiefseetaucherkostüm, weil er, an der Tür horchend, den ganzen Tiefsinn mitbekommen hat.“

In einem weiteren Punkt kritisiert Dürrenmatt die Autoren und er tut dies, indem er sich selbst als Beispiel hervortut. Besonders bemerkenswert ist, mit welcher Selbstironie sich Dürrenmatt betrachtet:

DER AUTOR Du siehst wie eine Statue aus.

DIE ERSTE JUNGE DAME Regie-Dramaturgie.

DER AUTOR Von allen sieben zusammen?

DIE ERSTE JUNGE DAME Von allen vierzehn zusammen. Es sind

sieben dazugekommen.

DER AUTOR Dramaturgen vermehren sich. Doch wozu dein Auftritt?

Das Stück ist zu Ende.

DIE ERSTE JUNGE DAME Dürrenmatt hat einen neuen Schluss

geschrieben.

DER AUTOR Schreibt der immer noch?

DIE ERSTE JUNGE DAME Nur noch um.

Interessant ist auch, dass Dürrenmatt gegen Ende des Stückes noch eine weitere Person auftreten lässt, MacFire. Er erklärt den Zusehern, dass das Licht auf Erden ausgefallen sei. Es folgt ein langer Monolog, in dem er davon spricht, dass die gesamte Bühne, inklusive der Akteure, in ein schwarzes Loch gefallen ist, was sich auch bald auf alles andere ausdehnen wird. Die anderen Schauspieler treten wieder auf:

MACFIRE Da ist ja noch eine zweite Leiche.

[...]

DER AUTOR Wer?

MACFIRE Der Intendant.

[...]

DER SEKRETÄR Schade, dass es kein Kritiker ist.

DER AUTOR War unser Intendant auch einmal.

DIE ERSTE JUNGE DAME Oder ein Regisseur.

DER AUTOR War unser Intendant auch einmal.

Gezeigt wird in dieser Szene, dass Dürrenmatt wahrscheinlich Regisseure, Intendanten und Kritiker manchmal verwünscht, da er scheinbar das Gefühl hat, nicht verstanden und nur kritisiert zu werden, weil er eben Friedrich Dürrenmatt ist.

Im letzten Teil des Werkes kritisiert Friedrich Dürrenmatt, wie vor allem kleine Theater an Beachtung verlieren. Man achtet nur mehr auf die großen, imposanten Bühnen, die gängige und bekannte Stücke spielen, die mehr Geld einbringen, und nicht mehr auf die kleinen, die manchmal besser durchdachtes Theatervergnügen bereiten:

ERSTER SANITÄTER Verzeiht, dass wir so spät kommen. Aber wir

mussten erst die Stadtpläne durchforschen. Kein Mensch in dieser Stadt weiß mehr, wo das Theater ist.

Doch könnte mit dieser Aussage auch gemeint sein, dass das Theater nicht mehr gefunden wird, besser gesagt die Besucherzahlen sind drastisch zurückgegangen, es werden keine Publikationen mehr veröffentlicht und daher weiß auch niema