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Zecken

Zecken

Folie.

Weltweit existieren etwa 850 Zeckenarten, die in Lederzecken und Schildzecken unterteilt werden.

Wesentliche Unterschiede:

  1. Schildzecken haben ein Schild auf dem Rücken, Lederzecken nicht

  2. Larven, Nymphen und Adulte saugen bei den Schildzecken nur einmal 19245uto14crx6t

  3. Schildzecken leben meist im Freien und Lederzecken meist in Stallungen oder Nestern und überraschen ihren Wirt im Schlaf.

In Mitteleuropa sind 17 Schildzeckenarten und 2 Lederzeckenarten heimisch. Die grösste Verbreitung in Mitteleuropa hat der gemeine Holzbock, eine Schildzeckenart, die auch Krankheiten übertragen kann. Zecken sind blutsaugende Ektoparasiten und gehören innerhalb der Spinnentiere zu den Milben. Wir werden speziell die Schildzecken untersuchen.

Morphologie und Systematik Folie der Zecken.

Die Schildzecken haben einen sackartigen Hinterkörper, der keine Untergliederung zeigt. Das Köpfchen ist von oben sichtbar und trägt eigentlich nur die Mundwerkzeuge. Charakteristisch ist ein Schild auf dem Rücken, das beim erwachsenen Männchen den gesamten Rücken und beim Weibchen nur etwa die Hälfte hinter dem Kopf bedeckt. Der Rest der Körperhaut ist in viele Falten gelegt, sodass der Körper sehr dehnbar ist. Es ist möglich, dass die Zecke bis zu 200x so viel wiegt, wie vor dem Saugvorgang, jedoch braucht sie dann etwa 10 Tage. tr245u9114crrx

Wirtssuche –Wirtserkennung -Wirtsfindung

Zecken haben einen sehr ausgeprägten Geruchssinn und zusätzlich ein feines Gespür für Erschütterungen und Temperaturunterschiede. Gegen den Abend mit steigender Luftfeuchte, gehen die Zecken auf Gräser oder Zweige und warten auf ihren Wirt. Der Zecke reicht ein Bruchteil einer Sekunde um sich am vorübergehenden Wirt festzuhalten, was Klammerreflex genannt wird. Es ist also ein Irrtum, dass Zecken vom Baum fallen und daher ist eine Mütze sinnlos!! Gutes Schuhwerk und lange Hosen sind viel effizienter. Das erste Beinpaar wird hallersches Organ genannt und mit diesem kann die Zecke sehr feine CO2- Veränderungen wahrnehmen. Wenn der Wirt näher kommt, werden dann die Erschütterungen und die Wärmeausstrahlung wahrgenommen. Der gemeine Holzbock zum Beispiel hat gar keine Augen und kann den Wirt nicht sehen. Auf dem Wirt angekommen, sucht sich die Zecke einen geeigneten Platz aus. Dort ritzt sie mit ihren Cheliceren eine Wunde in die Haut, die sich dann mit Blut füllt und der Zeck kann mit seinem Rüssel das Blut absaugen. Der Rüssel wird zusätzlich durch Sekrete des Speichels in die Haut einbetoniert und daher ist es so schwierig einen Zecken aus der Haut zu entfernen. Es handelt sich also hierbei um einen Zeckenstich und nicht um einen Zeckenbiss, von denen jedoch 80% unbemerkt stattfinden.

Lebensraum

Zecken brauchen in der Regel eine hohe Luftfeuchtigkeit, die nur in dichter Vegetation vorhanden ist. Daher lebt er auch meistens im Laub oder unter der Erdoberfläche, wo er 99% seines Lebens verbringt. Allgemein kann man sagen, dass ein Zeck in gemässigten Klimazonen bis etwa 1000m lebt. Eine dicke Bodenstreuschicht ist unerlässlich, da diese den Zeck vor der Kälte und Austrocknung, der Schwachpunkt des Zecks, schützt. Bei einer Temperatur von 10°C wird vor allem die Nymphe aktiv, die anderen zwei Stadien benötigen eine höhere Temperatur. Bei einer niedrigeren Temperatur fallen sie in eine Starre.

Lebenszyklus der Schildzecken

Folie1

Larve 6 Beine 0,5mm gross, Blutmahlzeit und in 1-4 Monaten Häutung zur Nymphe (8 Beine 1mm)à nicht erkennbar, ob Männchen oder Weibchen. Wieder Blutmahlzeit und 4-8 Wochen Häutung und adulte Zecke (M=2.5mm, W=3.5mm) Es saugen also Männchen wie Weibchen und alle Stadien sind Blutsauger. Alle einheimischen Schildzeckenarten sind dreiwirtig, weil für jedes Stadium ein neuer Wirt gefunden werden muss. Es gibt jedoch auch Zeckenarten, die nur einwirtig (Larven befallen Wirt und bleiben als Nymphe und Adulte auf dem Wirt, nur Weibchen verlassen ihn zur Eiablage) oder zweiwirtig (Larven befallen Wirt und verlassen ihn als vollgesogene Nymphe, Häutung und zweite Wirtssuche als adultes Tier) sind.

1. Krankheiten

Von der Zecke werden hauptsächlich 2 Krankheiten übertragen, die für den Menschen gefährlich sind.

  1. Borrelia burgdorferi oder Lyme-Borreliose

  2. Frühsommer-Meningo-Encephalitis

1.1 Borrelia Burgdorferie

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um ein Bakterium. Es gibt 4-5 Arten von denen 3 in Europa bekannt sind. Diese Erkrankung zeigt zu Beginn eine ringförmige Rötung um die Einstichstelle, die starken Juckreiz auslöst, jedoch ist dieses Bild nur bei etwa 50-60% der Menschen anzutreffen, daher ist eine sichere Diagnose sehr schwierig. Dieses Bakterium ist der Verursacher einer in drei Stadien verlaufenden Multiorganerkrankung, die sich als Krankheit der Haut, des Nervensystems, der Augen, des Herzens oder der Gelenke zeigen kann. Diese Krankheit trifft man auf 5 Kontinenten an. In Deutschland kommen sie zum Beispiel flächendecken und bis 1200m vor. Die meisten Fälle sind zwischen März und November, da die Menschen und die Zecken in dieser Zeit aktiver sind als sonst.

Zecken in allen Wäldern können diesen Erreger tragen und es sind ungefähr 30% alles Zecken infiziert. Es besteht die Möglichkeit, die Krankheit mit Antibiotika zu behandeln, jedoch kann man sich nicht impfen und es besteht nach der Krankheit keine Immunität.

Es ist jedoch möglich, dass die Organschäden nicht immer vollständig rückgängig gemacht werden können, aber ist dies sehr selten. Da die Symptome auch wechseln können, ist eine Nachuntersuchung unerlässlich. Rückfälle bis nach 2 Jahren sind möglich, da es Krankheitserreger gibt, die in Bindegewebe ruhen und vom Antibiotika nicht bekämpft werden. Bis heute wurden 6 Zeckenarten gefunden, die dieses Bakterium übertragen. Der Erreger ist hauptsächlich in Tieren, die auch von den Zecken befallen werden, die dann Reservoirwirte genannt werden. Der Mensch gehört eigentlich nicht zu einem Reservoirwirt, weil die Konzentration der Bakterien in seinem Blut zu gering ist. Der Erreger vermehrt sich in der Zecke selbst auch. Nicht jeder Stich muss zu einer Infektion führen. Vor dem Saugakt sind die Erreger im Mitteldarm und werden erst durch das aufgenommene Blut aktiviert und gelangen in die Speicheldrüse. Eine Übertragung in den ersten 24-48 Stunden ist daher selten, aber möglich und sie kann von jedem Stadium aus erfolgen. Folie

1.2 Die Frühsommer –Meningo -Encephalitis

Hierbei handelt es sich um ein Virus, das vor allem die Hirnhäute, das Gehirn, das Rückenmark und die Nervenwurzeln befällt. Ganz entgegen dem Namen tritt diese Krankheit hauptsächlich zwischen Juni und September auf. Die Diagnose ist eindeutig und sicher, denn die Antikörper sind schon früh erkennbar. Jedoch gibt es noch keine sichere Therapie, da es sich um ein Virus handelt. Man kann sich aber sicher gegen FSME impfen und bis drei Tage nach der Infektion kann sich ein Erwachsener noch passiv impfen lassen. In Europa konnte man bisher 7 Schildzeckenarten nachweisen, die diese Erreger übertragen. Der wichtigste Überträger ist der gemeine Holzbock. Auch hier sind die Reservoirwirte wieder Kleinsäuger, die zeitlebens infektiös bleiben. Hauptsächlich werden Mäuse mit diesem Virus infiziert. Hund, Rind, Schaf und Ziege sind zwar ebenfalls Wirte, aber die Konzentration ist wieder zu gering für eine Weitergabe. Gleiches gilt auch für den Menschen. Man kann sich auch durch Rohmilch oder Käse infizieren, jedoch ist das eher selten. Die Zecken, die diese Krankheit in sich tragen, kommen nur in bestimmten Wäldern vor und es sind nur etwa 1% aller Zecken mit dem Virus infiziert.

Folie Verbreitung CH.

In endemischen Gebieten ist die Übertragung der FSME trotzdem geringer als die der Borreliose. Die Infektionsgefahr ist auch höher, da der Virus vom Beginn des Stechvorgangs an in den Menschen dringt und auch eine frühzeitige Entfernung der Zecke nichts mehr hilft. Die Mortalität liegt bei 1-2% und die bleibenden Schädigungen bei 10%. Ist der Mensch einmal von dieser Krankheit betroffen, ist er lebenslänglich immun. Eine Impfung ist aber möglich und daher allen empfohlen, die in einem endemischen Gebiet leben oder Urlaub machen. In Europa sind Endemiegebiete Teile der Schweiz, Österreich, Deutschland, Ungarn, Tschechien, Slowenien, Finnland, Südeuropa und Südschweden.



in-bottom: 5pt;">3.1. Landwirtschaft und Ernährung

Bei einem gegebenen Technologiestandard bedarf es zur Ernährung einer Person eine bestimmte Minimalfläche. Multipliziert mit der Anzahl Menschen auf der Erde ergibt sich wegen der Bevölkerungsexplosion ein super-exponentiell wachsender Bedarf an landwirtschaftlicher Nutzfläche, der schon erschreckend bald die weltweit zur Verfügung stehenden Flächen übersteigt. Schon im 19. Jahrhundert stellte der Engländer Malthus solche Überlegungen an. Seine pessimistischen Prognosen trafen aber nicht ein, weil er den enormen Produktivitätszuwachs in der Landwirtschaft nicht einkalkuliert hatte. In den letzten 50 Jahren ist es, um nur ein Beispiel zu nennen, durch klassische Genetik und Düngung gelungen, den Ertrag von Weizen um 300% zu steigern.

Wir haben heute jedoch wieder allen Anlaß pessimistisch zu sein. Die Bevölkerungsexplosion ist global weiter ungebremst, die Monokultur Mensch nimmt der übrigen Natur - für alle zunehmend sichtbar - den Lebensraum. Die natürliche Flora und Fauna muß zunehmend dem Flächenbedarf für Wohnen, Verkehr und Landwirtschaft weichen. Ein fortgesetztes Produktivitätswachstum in der Lebensmittelindustrie ohne gleichzeitige drastische Maßnahmen zur Kontrolle der Geburten kann deshalb auf Dauer sicherlich keine Lösung sein. Wenn wir jedoch darin Übereinstimmen, daß Geburtenkontrolle besser ist als die Regulation der Bevölkerungsdichte durch den Hungertod, dann gibt es zur Produktivitätssteigerung in der Lebensmittelindustrie auf lange Sicht keine Alternative, da eine Verlangsamung, geschweige denn ein Stopp des Bevölkerungswachstums noch nicht abzusehen ist. Es gibt deshalb global betrachtet - außer für wenige Priviligierte - auch kein "Zurück zur Natur". Schon seit Jahren ist die pro Kopf Produktion von Nahrungsmitteln trotz der hohen absoluten Steigerungsrate am sinken.


Pflanzenzucht

Die Ziele der Zucht von Nutzpflanzen sind seit alters her Qualitätsverbesserung, Ertragssteigerung und Verbesserung der Widerstandsfähigkeit. Die Gentechnologie stellt Methoden bereit, um diese Ziele effektiver als bisher zu erreichen. Sie wird die bisherige Pflanzenzüchtung in wichtigen Punkten ergänzen, aber nicht verdrängen. Wunder sind leider nicht zu erwarten.

Versuche zur Ertragsverbesserung (Beispiele)

a) Biologische Stickstoffixierung

Stickstoff ist ein lebenswichtiger Baustein für alle Lebewesen. Leider können Pflanzen den Stickstoff aber nicht aus der Luft aufnehmen, sondern nur über die Wurzeln in der Form von Nitraten oder Ammonium. Der Ertrag auf den Feldern ist deshalb direkt mit der Intensität der entsprechenden Stickstoffdüngung gekoppelt. Die Herstellung des Stickstoffdüngers verbraucht sehr viel Energie, so daß hohe Kosten für den Landwirt entstehen. Zudem verseuchen die Nitrate unser Trinkwasser. Eine Verringerung der weltweiten Produktion von ca. 75 Mill. Tonnen Stickstoffdünger jährlich ist deshalb wünschenswert.

Im Gegensatz zu den höheren Pflanzen haben manche Bakterien die Fähigkeit, Stickstoff direkt aus der Luft aufzunehmen. Daraus ziehen z.B. die Erbse und andere Leguminosen ihren Nutzen, in dem sie sich die entsprechenden Bakterien als Haustiere halten. Die Rede ist von den Knöllchenbakterien, die mit den Leguminosen vergesellschaftet, in Symbiose, leben.

Es gibt verschiedene gentechnologische Forschungsansätze mit dem Ziel, andere Nutzpflanzen als die Erbse zur biologischen Stickstoffixierung zu befähigen:

Eine Methode ist die Übertragung der für die Stickstoffixierung notwendigen bakteriellen (nif) Gene direkt in die Pflanze. Dies ist bereits gelungen, die Gene sind auch aktiv, aber ihre Produkte, insbesondere das Enzym Nitrogenase, arbeiten in den Pflanzen in Gegenwart von Sauerstoff nicht. Das ist ein Lehrbeispiel dafür, daß die Übertragung von Genen aus einem Organismus in einen anderen nicht ohne weiteres erwarten läßt, daß deren Produkte dann dort funktionieren.

Wesentlich vielversprechender ist der Versuch, die Bakterien so zu verändern, daß sie eine Symbiose auch mit anderen Wirtspflanzen eingehen. Daran wird intensiv gearbeitet und es ist zu hoffen, daß dies langfristig gelingen wird.

b) Resistenzen gegen Herbizide, Schädlinge, Kälte etc.

Zur Zeit sind über 800 verschiedene Herbizide auf dem Markt. Herbizide kommen zum Einsatz, um sogenanntes Unkraut auf Feldern zu vernichten. Die Nutzpflanze darf hierfür nicht anfällig sein. Viele Felder werden nach dem Prinzip der Fruchtfolge bestellt, d.h. daß in aufeinanderfolgenden Jahren verschiedene Nutzpflanzen angebaut werden, die sich in ihren Resistenzen unterscheiden. Deshalb muß jeweils ein sehr spezifisches Pflanzengift gespritzt werden. Wenn es gelänge, alle Nutzpflanzen einer Fruchtfolge gegen das gleiche Herbizid resistent zu machen, dann könnte die Anzahl der existierenden Herbizidsorten reduziert werden. Dies könnte eine Standardisierung der Handhabung und damit größere Sicherheit gewinnen helfen. Zudem ist es ein mit der Gentechnik erreichbares Ziel, biologisch abbaubare Herbizide herzustellen, die nicht mehr wie herkömmliche Herbizide unser Grundwasser verseuchen.

Dem Argument, daß durch die Anwendung eines effektiven Herbizids (und sei es noch so leicht abbaubar), die Artenvielfalt auf dem Feld reduziert werde, ist entgegenzuhalten, daß der Flächenverbrauch der Landwirtschaft (bei gleicher Produktion) ohne Herbizide noch größer wäre und damit in der Gesamtbilanz der Naturverbrauch ebenso.

Mit Hilfe der Gentechnik können Pflanzen auch gegenüber tierischen Schädlingen und gegenüber Pilzbefall resistent gemacht werden. Bei vielen Nutzpflanzen könnte zudem der Ertrag gesteigert werden, wenn es gelänge, wie es bei einigen Kulturpflanzen mit Hilfe der klassischen Züchtungsgenetik seit Jahrtausenden bereits versucht wird, sie an die jeweiligen Standorte und Witterungsbedingungen optimal anzupassen.

Tierzüchtung

Der Nutzen der Tierzucht für die Welternährung muß angesichts der geschilderten Gegebenheiten in Frage gestellt werden. Wegen der wesentlich höheren Effektivität pflanzlicher Nahrungsmittelproduktion dürfte Fleischkonsum zunehmend ein Privileg der Reichen werden.

Das Züchten von Nutztieren hat jedoch eine lange Tradition und wird auch in Zukunft mit Sicherheit nicht eingestellt werden. Es werden auch zunehmend gentechnische Methoden hierbei eingesetzt werden. In der Presse wurden ausgiebig transgene Schweine diskutiert, die über ein zusätzliches Gen für ein Wachstumshormon verfügen. Dieser unausgewogene Eingriff in den Schweineorganismus bedingte neben einer Vergrößerung der Körpergröße auch Arthritis (= chronische Gelenksentzündung).

Ich würde die Fortsetzung dieser speziellen Zuchtlinie als unverantwortlich bezeichnen. Die Herstellung unglücklicher Geschöpfe gelingt dem Menschen jedoch nicht erst mit Hilfe der Gentechnik. Nirgends sonst wird das so deutlich wie bei einigen - mit klassischer Kreuzungsgenetik erzeugten - Hunderassen.

3.2. Umweltschutz

Abfallbeseitigung

Die Bevölkerungsexplosion auf dieser Erde stellt uns nicht nur vor das Problem der Welternährung. Ein anderes Problem ist die Abfall Produktion. Ohne umfassende technologische Veränderungen ist absehbar, wann uns die Abfall-Lawine überrollt. Es gilt durch technologische Verbesserungen in vielen Bereichen gegenzusteuern. Vorrang muß dabei die Abfallvermeidung besitzen. Es ist aber absehbar, daß hierdurch allein das anstehende Problem nicht gelöst werden kann. Auch der Abfallbeseitigung muß eine wichtige Rolle zugewiesen werden. Welchen Beitrag könnte die Gentechnologie hier leisten?

Seit eh und je zersetzen Mikroorganismen chemische Verbindungen in ihre Bestandteile oder wandeln sie um und tragen somit wesentlich zum Stoffkreislauf auf der Erde bei. Der Mensch macht sich diese Fähigkeit der Mikroorganismen in vielfältiger Weise zunutze. In Kläranlagen werden die privaten und die industriellen Abwässer durch gezielt eingesetzte Mikroben gereinigt. Durch die Verwendung gentechnologischer Methoden könnte deren Effektivität verbessert werden. Wahrscheinlich könnten gentechnologisch veränderte Mikroorganismen auch auf Chemikalien angesetzt werden, die sich bisher noch einer biologischen Zersetzung entziehen.


Biologische Schädlingsbekämpfung

Ein anderes Umweltproblem ist die Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft. Hier spielt die chemische Bekämpfung leider noch eine sehr große Rolle. Alternative biologische Methoden sind prinzipiell vorzuziehen. Die Frage darf aufgeworfen werden, ob die Gentechnologie zur Schwächung der Schädlinge und zur Stärkung der Nützlinge einsetzbar ist. Verschiedene Projekte sind in der Diskussion. Nur ein Beispiel soll angesprochen werden:

Bacillus thuringiensis ist ein insektenpathogenes Bakterium, das vorwiegend gegen Raupen einsetzbar ist. Das von diesem Bakterium produzierte hochspezifische Insektengift wird von einem einzigen Gen codiert und könnte durch gentechnologische Methoden nicht nur in ausreichender Menge gewonnen, sondern auch in seinem Wirkungsspektrum verändert werden, so daß es Nützlinge nicht angreift.

3.3. Medizinische Anwendungen

Zu den Anwendungen der Gentechnologie, die den Menschen direkt betreffen, gehören diejenigen im medizinischen Bereich. Hormone und Impfstoffe sollen kurz besprochen werden.

Hormone

Insulin

Insulin ist ein wichtiges Hormon der Bauchspeicheldrüse, welches bei einer Form der Zuckerkrankheit in zu geringen Konzentrationen gebildet wird. Bis vor kurzem wurde das Insulin aus der Bauchspeicheldrüse von Rindern gewonnen, eine kostspielige Methode. Zudem ist das Rinder-Insulin nicht völlig baugleich mit dem menschlichen Hormon. Inzwischen ist es möglich, aus Bakterien, in die das Insulin-Gen vom Menschen eingeführt wurde, das Hormon zu isolieren. Leider ist bisher die zu erwartende Kostensenkung noch nicht eingetreten, nicht zuletzt deshalb, weil die großtechnische Herstellung des Hormons in der Bundesrepublik lange verzögert worden ist.

Blutbildende Hormone

Keinen Zweifel an der Nützlichkeit der Gentechnologie besteht bei der Produktion von Hormonen, die mit herkömmlichen Methoden aufgrund ihrer sehr niedrigen Konzentration im Säugetierorganismus bisher nicht gewinnbar waren. Beispiele sind blutbildende Hormone.

Das gentechnisch gewonnene Hormon "Erythropoietin" fördert die Bildung roter Blutkörperchen. Mediziner applizierten z.B. bereits 1987 25 anämischen ("blutarmen") Patienten unterschiedliche Dosen dieses Hormons. Alle Patienten, die eine effektive Dosis verabreicht bekamen, reagierten positiv. 12 Patienten, die zuvor ständig auf Bluttransfusionen angewiesen waren, wurden geheilt.

Ein anderes der gentechnisch hergestellten Hormone, G-CSF, das die Bildung weißer Blutkörperchen anregt, wurde bei zunächst 16 Krebspatienten angewendet. Ein dramatischer Nebeneffekt der üblichen Chemotherapie bei Krebs ist die Zerstörung des Knochenmarks. Dadurch werden Krebspatienten anfällig für Infektionen. Dieses Risiko hat bisher die Bekämpfung von Krebs wesentlich behindert und z.B. die möglichen Dosen von Medikamenten begrenzt. Hier kann das Hormon G-CSF teilweise Besserung schaffen. Gaben des Hormons G-CSF bewirkten bei den 16 Patienten, daß sich ihr Knochenmark sehr viel schneller als normal von den Folgen der Chemotherapie erholte.

Das Hormon GM-CSF, das ebenfalls die Bildung weißer Blutkörperchen fördert, konnte bei AIDS-Patienten die Konzentration der weißen Blutkörperchen, die als Teil des Abwehrsystems in zu niedrigen Konzentrationen vorkamen, dosisabhängig auf normale Werte und darüber steigern.

Die klinischen Ergebnisse mit den gentechnologisch gewonnenen Hormonen zeigen, was die Versuche an Zellkulturen und dann Tierversuche bereits hatten vermuten lassen: Die in Bakterien vermehrten Hormone entfalten ihre Wirkung im Menschen effektiv und zwar als körpereigene Substanzen - anders als viele Pharmaka - in spezifischer Weise, ohne ersichtliche Nebenwirkungen.

Impfstoffe

Unser Immunsystem reagiert auf körperfremde Substanzen, auch auf eingeschleuste Viren, mit der Bildung von Antikörpern. Die Impfung von Personen mit veränderten Viren, die zwar noch eine Immunantwort auslösen können, aber nicht mehr pathogen sind, ist eine der Perspektiven der angewandten Gentechnologie. Im Falle des Hepatitis-B-Virus, das eine Form der Gelbsucht auslöst, ist dies bereits gelungen.

Es ist bekannt, daß zur Zeit weltweit daran gearbeitet wird, auch einen Impfstoff gegen Aids zu gewinnen. Die Hoffnung, Aids durch die Gewinnung eines Impfstoffes zu eliminieren, gründet sich vor allem auf die Methoden der Gentechnologie, die es erlauben, das Virus in seine Einzelteile zu zerlegen und zu analysieren.

Durch die Presse gingen Berichte über künstlich Aids-infizierte Mäuse und wurden als Indiz für die Perversion der Gentechnologen hingestellt. Es wurde kaum ein Gedanke darauf verwendet, daß es die Intention der hieran beteiligten Forscher ist, mit Aids-infizierten Mäusen den vielen Aids-infizierten Menschen zu helfen. Die Vermehrung von Viren in fremden Wirten kann eine Möglichkeit sein, ihnen ihren pathogenen Charakter zu nehmen. Der erste Impfstoff überhaupt, der gegen die Pocken, wurde 1798 von dem englischen Arzt Jenner gefunden, der bemerkte, daß an Kuhpocken erkrankte Melkerinnen gegen die menschlichen Pocken immun waren. Gegen seine Impfungen gab es damals wütende Proteste. Inzwischen gelten die Pocken als ausgestorben, nicht die Kühe und erst recht nicht die Menschen.

Wer möchte die Verantwortung übernehmen, Experimente mit Aids-infizierten Mäusen als verantwortungslos zu bezeichnen, wenn sie die kleinste Hoffnung bieten, einen Impfstoff gegen Aids zu gewinnen?

Durch die Gentechnik kann man die Erbinformation (DNS) gezielt verändern. Dies geschieht in mehreren Schritten:

  1. Die Isolierung des Gens erfolgt durch Spaltung mit Restriktionsenzymen, die selektiv an bestimmten Basenfolgen angreifen.

  2. Durch verschiedene Methoden der Sequenzanalyse der Nukleinsäure, erfolgt die Strukturaufklärung des Gens bzw. der Signalstrukturen und damit die Aufstellung von Genkarten und die Bestimmung der spezifischen Restriktionsstellen der jeweils verwendeten Enzyme.

  3. Zur Einschleusung des Gens in die Zelle, muß das Gen zunächst auf einen Vektor übertragen werden. Vektoren sind eines der wichtigsten Instrumente der Gentechnik. Sie dienen als Träger der DNS der isolierten, einzuschleusenden Gens. Dieser Vektor muß ein vom Hauptgenom der Wirtszelle unabhängiges REPLIKON sein. Diese Eigenschaft trifft auf Viren und Plasmide zu.

PLASMIDE: Frei, im Zellkern vorkommende Erbträger in Bakterien. Plasmide sind kleine, ringförmige, doppelsträngige DNS-Moleküle mit weniger Genen.