100%;">Der ägyptische Priester Manetho verfaßte um 280 v. eine Darstellung der Geschichte Ägyptens, die in griechischer Sprache überliefert worden ist. Er unterscheidet darin 30 Dynastien und ordnet sie folgenden Zeitabschnitten zu:
Frühzeit/Thinitenzeit (nach Thinis in Mittelägypten): 1. und 2. Dynastie
§ ALTES REICH: 3.-6. Dynastie (2778-2423)
Erste Zwischenzeit: 7.-9. Dynastie (2423-2065)
§ MITTLERES REICH: 10.-12. Dynastie (2065-1785)
Zweite Zwischenzeit / Hyksoszeit: 13.-17. Dynastie (1785-1580)
§ NEUES REICH: 18.-20. Dynastie (1580-1085)
Spätzeit: 21.-30. Dynastie (1085-341)
Wie der Pyramidenbau die Wirtschaft des alten
Ägypten belastete
In der Frühzeit wurden die Pharaonen mit dem Himmelsfalken Horus identifiziert. “Da nicht nur der Himmel, sondern auch die Sonne als Falke angesehen wurde, ergab sich die Gleichung ›König = Sonne = Himmel‹, die schließlich in dem Königssymbol der Flügelsonne ihren Ausdruck fand”. Im Alten Reich wurden sie zu Söhnen des Sonnengottes Re degradiert. Dessen ungeachtet wurden ihnen Grabmäler von so gewaltiger Größe errichtet - die großen Pyramiden von Saqqara, Giza, Medum und Dahschur -, daß deren Bau den Bauern allzu schwere Frondienste aufbürdete und ihre Arbeitskraft den Feldern allzu lange entzog. Hungerrevolten waren die Folge, die gemeinsam mit Selbständigkeitsbestrebungen der Gaufürsten und Nomadeneinfällen aus dem syrischen Raum den Zusammenbruch des Alten Reiches herbeiführten. Pyramiden wurden wohl bis ins 16. Jahrhundert errichtet, erreichten aber nie mehr die Ausmaße der zur Zeit der 4. Dynastie (2723-2563, “Pyramidenzeit”) errichteten Anlagen.
Was in Ägypten zur Zeit des Mittleren Reiches geleistet wurde
 
Die Gaufürsten von Theben (heute: Luxor) gingen siegreich aus dem Kampf rivalisierender lokaler Dynastien hervor und stellten die, von wirtschaftlichen Erfordernissen gebieterisch geforderte, Reichseinheit wieder her (Mittleres Reich). Der thebanische Lokalgott Amon wurde zum Staatsgott befördert und mit Re fusioniert.
Zur Zeit des Mittleren Reiches setzte sich Gold als Wertmaßstab durch (nicht gemünzt) und der Werkstoff Glas wurde bekannt (Glasbläserei ist eine phönizische Erfindung). Eine der Depressionen in der libyschen Wüste - das Fajjum, etwa 75 km südwestlich des heutigen Kairo gelegen - wurde (unter Amenemhet III. [1842-1795]) durch einen Kanal mit dem Nil verbunden und kultiviert. Der solcherart entstandene Moerissee diente als Ausgleichsbecken für das Nilhochwasser. Überhaupt wurde im Mittleren Reich die Wasserwirtschaft perfektioniert.
Der ägyptische Staat expandierte in den Sudan und nach Syrien-Palästina (= Kanaan - “Land der roten Farbe), pflegte Handelsbeziehungen mit dem sagenhaften Goldland Punt, worunter man wahrscheinlich Somaliland zu verstehen hat, und mit dem ägäischen Raum.
Bildende Kunst und Literatur (Märchen und die Erzählung von den Erlebnissen des Sinuhet in Palästina) erreichten in dieser Epoche den Höhepunkt ihrer Entwicklung.
Wie es den Hyksos gelang, Unterägypten zu erobern
 
Das Ende des Mittleren Reiches war abermals von der Schwäche der Zentralgewalt und Bauernerhebungen charakterisiert. Den Schlußpunkt setzte der Einfall der aus Syrien kommenden und schwer einzuordnenden (mehrheitlich wohl semitischsprachigen) “Hyksos”, die ihre vorübergehende Herrschaft in Unterägypten dem (zuvor in Ägypten unbekannten) Pferd und ihren Streitwagen verdankten (als Reittier wurde das Pferd noch nicht verwendet).
Wie Echnaton vergeblich versuchte, die Amon-Priesterschaft zurückzudrängen
Die Wiederherstellung der Reichseinheit erfolgte abermals von Theben aus (Neues Reich). Ägyptische Heere stießen (unter Thutmosis I. [1557-1539]) erstmals. bis zum Euphrat vor. Mit Hatschepsut (1490-1468) kam ausnahmsweise eine Frau an die Macht. Amenophis IV.(1372-1354) versuchte, die allmächtige Amon-Priesterschaft auszuschalten und dem Sonnengott Aton als neuem zentralistischem Staatsgott mit dem Hang, keine anderen Götter neben sich zu dulden, zur Macht zur verhelfen, konfiszierte die Güter der Amon-Priesterschaft, brach mit den Traditionen, verlegte die Hauptstadt nach Norden (Achet-Aton / Tell el-Amarna), legte sich einen neuen Namen zu (Echnaton) und - scheiterte. Echnaton konnte mit seinen Reformen die Masse der Bevölkerung nicht mobilisieren, da sie sich von diesen keine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse erwarten konnte. Sein berühmter aber bedeutungsloser Nachfolger unterwarf sich Amon und nannte sich wieder nach ihm: Tut-Anch-Amon.
Wie Echnatons Bruch mit den Traditionen sich auch in der Kunst seiner Zeit äußerte
Echnatons Bruch mit den Traditionen äußert sich auch in dem naturalistischen Kunststil, den die Amarna-Zeit mit sich brachte, und dessen berühmtestes Beispiel die Portraitbüste Nofretetes, der Frau Echnatons, darstellt.
Daß die Auseinandersetzung mit den Hethitern um die Vorherrschaft in Kanaan mit einem Remis endete und die Ägypter auch mit der Bedrohung durch die “Seevölker” fertig wurden
Zur Zeit der 19. Dynastie (13. Jh. v.) kam es zu schweren Kämpfen mit Kanaanäern und Hethitern (einem indoeuropäisch sprechenden Volk unbekannter Herkunft, das das im zweiten Jahrtausend v. vom östl. Kleinasien aus einen bedeutenden vorderorientalischen Staat errichtet hatte) um die Herrschaft in Palästina. Die zwischen Ägyptern und Hethitern geschlagene Schlacht von Kadesch (1286) endete unentschieden, und Palästina blieb in ägyptischer Hand. Der danach zwischen Ägyptern und Hethitern geschlossene Frieden wurde durch die Heirat Ramses´ II. (1290-1224) mit einer hethitischen Königstochter besiegelt.
Wer die “Seevölker” waren und, daß zu ihnen die “Philister” und vielleicht auch die Etrusker gehörten
Einfälle der sogenannten “Seevölker” (ein Völkerkonglomerat, das im Zusammenhang mit der Ägäischen Wanderung, in deren Verlauf die Landnahme griechischer Stämme erfolgte, in Bewegung geraten war) konnten durch Ramses II. und seine Nachfolger abgewehrt werden. In ägyptische Gefangenschaft geratene Gruppen wurden in dem später nach ihnen benannten Gebiet - Palästina - angesiedelt. Es handelt sich um die “Philister”. Durch den Niedergang der ägyptischen Macht erlangten sie bald die Selbständigkeit. Einer der in einem Papyrus aufgeführten Namen der Seevölker ist übrigens möglicherweise mit dem der Etrusker zu identifizieren.
Wie letztlich doch der Hohepriester des Amon sich zum Pharao aufschwang
Als der letzte der “Ramessiden” (19. und 20. Dynastie) starb, erhob sich Herihor, der Hohepriester des Amon, zum Pharao und begründete den Gottesstaat des Amon (1085). Mit Herihor begann die Spätzeit der ägyptischen Geschichte. Ägypten war in dieser Zeit vorübergehend den Assyrern tributpflichtig, die syrisch-palästinischen Besitzungen gingen unter Necho (609-594) verloren.
Daß vermutlich schon zur Zeit des Neuen Reiches der Nil und das Rote Meer durch einen Kanal verbunden waren
Nach ihm ist der Kanal benannt, der das Nildelta mit dem Roten Meer verband und solcherart einen Vorläufer des Suez-Kanals darstellte. Vermutlich aber war diese Wasserstraße schon zur Zeit des Neuen Reichs angelegt worden und war nur versandet.
Nachdem die Perser Ägypten schon einmal (525 unter Kambyses II.) unterworfen, aber (404) wieder verloren hatten, besetzten sie es neuerlich im Jahre 341 (unter Artaxerxes III.).


WIE SICH DIE MESOPOTAMISCHEN STAATEN ENTWICKELTEN

Daß die Sumerer die Begründer der mesopotamischen Hochkultur waren
Die eigentlichen Begründer der mesopotamischen Hochkultur waren die Sumerer, die man - sprachlich gesehen - mit der (vorindogermanischen, drawidischen) frühen Induskultur (Harappa, Mohendjo Daro) in Verbindung bringt. Sie errichteten im Süden Mesopotamiens eine Reihe von Stadtstaaten, deren wichtigste Ur, Uruk, Lagasch, Kisch, Umma, Nippur und Eridu waren.
Daß im Lauf des dritten Jahrtausends semitischsprachige Stämme in Mesopotamien eindrangen und die sumerische Kultur übernahmen und weiterentwickelten
Seit etwa 3000 wanderten semitischsprachige Stämme ein, die die sumerische Kultur übernahmen und weiterentwickelten und das Zweistromland erstmals (unter Sargon um 2350) zu einem Großreich vereinigten, das knapp 200 Jahre bestand, und dessen Zentrum die Stadt Akkad war, deren Name zugleich den Oberbegriff bezeichnet, unter dem die in Nord- und Südmesopotamien gesprochenen ostsemitischen Dialekte Assyrisch und Babylonisch zusammengefaßt werden: “Akkadisch”.
Daß die Geschichte Mesopotamiens durch den Wechsel der Zentren, von denen aus sich grössere Staaten bildeten, sowie durch den Einbruch semitisch sprechender Stämme von Süden und indoeuropäisch sprechender Stämme von Norden charakterisiert ist
Die weitere Geschichte Mesopotamiens wird durch den Wechsel der Zentren, von denen aus sich größere Staaten bildeten, sowie durch den Einbruch weiterer semitischsprachiger Stämme von Süden (Aramäer, insb. Chaldäer) und indoeuropäisch sprechender Stämme von Norden (Hethiter, Meder, zuletzt Perser) charakterisiert.
Den Sumerern gelang es unter der III. Dynastie von Ur kurz vor 2000 vorübergehend noch einmal, fast ganz Mesopotamien zusammenzufassen.
Nach dem Zerfall des Reiches von Ur in kleinere Staaten vereinigte nach 1800 Hammurapi, von der bis dahin ziemlich unbedeutenden Stadt Babylon aus unter seiner Herrschaft neuerlich ganz Mesopotamien.
Daß der Codex Hammurapi die bedeutendste Gesetzessammlung des Alten Orients darstellt und durch die Prinzipien der Ungleichheit vor dem Gesetz und der Vergeltung charakterisiert ist
In der während seiner Regierungszeit verfaßten berühmten Gesetzessammlung spiegeln sich die sozialen Gegensätze der altorientalischen Gesellschaft. Der Codex Hammurapi begünstigte die Herrschenden und Besitzenden und regelte Strafmaß und Ersatzansprüche nach dem sozialen Stand der Streitparteien. Neben dieser ausdrücklichen Ungleichheit vor dem Gesetz ist das Prinzip der Vergeltung (“Auge um Auge, Zahn um Zahn”) ein hervorstechendes Merkmal dieser Gesetzessammlung.
 
Daß Codex Hammurapi und Gilgamesch-Epos grundlegende Werke der altorientalischen Literatur darstellen, die auch bei der Abfassung der Bibel als Vorbild gedient haben
Noch lange aber galt der Codex Hammurapi nicht einfach nur als Gesetzestext, sondern auch als Meisterwerk der Literatur, dem großen Epos gleichwertig, das auf sumerischen Erzählungen beruht, die von dem legendären König Gilgamesch von Uruk handeln, ein über viele Jahrhunderte weiterentwickelter Stoff, der in Babylonien unter das Leitmotiv der Suche nach dem ewigen Leben gestellt wurde. Das Gilgamensch-Epos wurde auch in andere Sprach- und Kulturkreise des Vorderen Orients übernommen (es gibt auch eine hethitische und eine churritische Version). Aus dem Text der Bibel geht hervor, daß ihren Autoren zweifellos sowohl der Codex Hammurapi als auch das Gilgamesch-Epos bekannt waren.
Wie Assur das Zentrum einer Grossmacht wurde, deren Truppen Babylon zerstörten und vorübergehend sogar Teile Ägyptens besetzten
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts besetzten die Hethiter Babylon vorübergehend. Sie waren zu Beginn des zweiten Jahrtausends gemeinsam mit anderen - gleich ihnen indoeuropäische Dialekte sprechenden - Gruppen in Kleinasien eingedrungen. Danach wurde Babylonien mehrfach von Assur unterworfen, das Zentrum eines kräftig expandierenden Staates in Obermesopotamien geworden war. Im Jahre 689 kam es (unter dem assyrischen König Sanherib) gar zur völligen Zerstörung Babylons. Assur eignete sich (671) auch Teile Ägyptens an.
Nach 1700 drangen die aus dem Iran kommenden und sprachlich schwer einzuordnenden Churriter in Assyrien ein und gründeten dort eine Reihe von Staaten, deren wichtigster das Mitanni-Reich war. Die Herrscher der Churriterstaaten trugen seit etwa 1500 indoeuropäische Namen.
Wie sich ein neubabylonisches Reich unter aramäischer Führung entwickelte und in Babylon unter Nebukadnezar ein wahrer Bau-Boom einsetzte, schließlich aber Perserkönig Kyros
in Babylon einzog
Seit etwa 1100 waren Aramäer (Chaldäer) in Babylonien eingedrungen. Bereits im Jahre 626 befreite sich Babylonien unter chaldäischer Führung von assyrischer Herrschaft. Im Bündnis mit den Medern (unter Kyaxares) eroberten die Chaldäer (unter Nabopolassar) Assyrien und machten Assur und Ninive dem Erdboden gleich.
Damit hatte die sogenannte neubabylonische Periode begonnen. Nebukadnezar (II. 605-562) unterwarf Syrien und Palästina. Während seiner Regierungszeit entfaltete sich in Babylon eine rege Bautätigkeit (Terassengärten, die “hängenden Gärten der Semiramis”, eines der “sieben Weltwunder”, ferner der “Turm zu Babel”, der etwa 90 Meter hohe Turm des dem Stadtgott Babylons [Marduk] geweihten Heiligtums).
Nebukadnezars Nachfolger Nabonid geriet in einen offenen Gegensatz mit der Marduk-Priesterschaft, der den vordringenden Persern den Sieg leicht machte. Der Perserkönig Kyros (II.) zog 539 in Babylon ein.


WIE DIE ISRAELITEN NACH ÄGYPTEN KAMEN UND HEILFROH WAREN, ALS SIE ES WIEDER VERLASSEN KONNTEN, WONACH SIE EINEN EIGENEN STAAT IN KANAAN GRÜNDETEN

Wie und warum überhaupt Nomaden in die Fruchtländer Mesopotamiens und Ägyptens kamen
Bereits gegen Ende des dritten Jahrtausends kamen semitisch sprechende Stämme auch nach Ägypten. Wie in Mesopotamien kamen sie , um die Produkte ihrer auf Kleinviehzucht beruhenden Nomadenwirtschaft einzutauschen (auf Kamelzucht spezialisierte Nomaden traten erst im 9. Jh. v. unter dem Namen “carab” auf), sie kamen als Eroberer oder - in Dürrejahren - vom Hunger getrieben, was oft das Gleiche war. Viele kamen als Kriegsgefangene. In der Hyksoszeit trugen etliche Machthaber Unterägyptens semitische Namen.
Es spricht einiges dafür, daß der Ausdruck “Hebräer” (in ägyptischen Quellen “capiru”, in akkadischen Texten “chabiru”) nicht als Bezeichnung eines Stammes, sondern einer niederen Sozialschicht zu deuten ist. Die Ägypter meinten damit jedenfalls die verschiedenen ausländischen Zwangsarbeiter. Die Bibel hingegen beschränkt die Verwendung des Begriffs “Hebräer” auf die Israeliten, die als Stammesgruppe erscheinen, die sich im östlichen Nildelta niederließ und aller Wahrscheinlichkeit nach von Ramses II. für Bauarbeiten an den Grenzfestungen Per-Atum und Per-Ramses (in der Bibel: Pitom und Ramses) herangezogen wurde, und unter dessen Nachfolger Merneptah (1224-1204) abwanderte.
daß sich die Stammesgruppe der Israeliten wahrscheinlich erst bildete, nachdem sie aus Ägypten geflohen war
Es ist wahrscheinlich, daß die als “Israeliten” bezeichnete Gruppe sich überhaupt erst im Zusammenhang mit dem Exodus, der Flucht aus Ägypten, aus einigen semitisch sprechenden Stämmen gebildet hat. Etwa gleichzeitig mit den Israeliten entwickelten sich im Raum Kanaans (Syrien-Palästina) andere Nationen aus semitisch sprechenden Stämmen: Edom, Moab und Ammon. In der Erzählung von der Offenbarung am Berg Sinai spiegelt sich vielleicht das Werden der israelitischen Nation. “Die biblische Überlieferung unterstellt, daß der zusammengewürfelte Haufen von Menschen, der aus Ägypten entrann (Num 11, 4) den Bund am Sinai auf sich nahm und von Anfang an unter dem Namen Israel in Sippen geordnet und sauber in zwölf Stämme aufgeteilt war. Diese zwölf halbnomadischen Stämme überdauern durch eine Reihe von Wundern die Wüstenwanderung - woraus hervorgeht, daß sie keine richtigen Nomaden, sondern dem Wüstenleben schlecht angepaßt waren. Sie waren offenbar ebensowenig ein starker Truppenkörper ...” In der Genesis (46,26) ist von nur 70 Personen die Rede.
Daß die Landnahme der Israeliten in Kanaan etwas von Invasion, von Heimkehr und von Sozialrevolution an sich hatte und nicht ganz so schnell und glatt vor sich ging, wie´s in der Bibel steht
Jedenfalls dürfte die “Landnahme” zunächst höchstens von einigen tausend Mann unternommen worden sein. Vieles spricht dafür, daß es sich dabei nicht (wie die Bibel das Geschehen schildert) um eine rasche, zielstrebige Invasion, sondern um einen in mehreren Schritten erfolgten Infiltrationsprozeß handelte. Verschiedene Indizien sprechen auch für eine Präsenz israelitischer Stämme (Benjamin, Sebulon) vor der Landnahme sowie dafür, daß sich das Eindringen der Israeliten mit Bauernaufständen in den verschiedenen kanaanitischen Staaten verbunden habe.
Wie sich um 1000 ein israelitischer Staat bildete und Jahwe dort eine feste Behausung bekam, daß dieser Staat aber bald in
zwei Teile zerfiel
Die Herausbildung eines israelitischen Staates beendete die Herrschaft charismatischer Stammesführer (der “Richter”). Saul wurde (1010) zum König proklamiert. Unter David (1006-966) wurde Jerusalem den Philistern entrissen und zum politischen und kultischen Zentrum eines kanaanitischen Großstaates, der bis an den Euphrat reichte. Davids Sohn und Nachfolger Salomo verlor allerdings die aramäischen Gebiete wieder. Der eine Gott der Israeliten erhielt nun im einen Staat der Israeliten mit dem (salomonischen, ersten) Tempel eine dauernde Heimstatt statt eines baulichen Provisoriums, wie es das “Stiftszelt” gewesen war. Im Allerheiligsten stand die “Bundeslade”, die die Moses übergebenen Gesetzestafeln enthielt.
Nach dem Tod Salomos zerfiel der israelitische Staat in das Nordreich Israel (mit der Hauptstadt Samaria) und das Südreich (mit der Hauptstadt Jerusalem).
Wie aus Rest-Kanaan Phönikien wurde
Im Zuge der Invasionen und Völkerbewegungen jener Zeit hatten die Kanaanäer neun Zehntel ihres Gebietes an die Aramäer, Israeliten und Philister verloren. Den selbständig gebliebenen etwa 200 km langen Streifen an der Mittelmeerküste, der sich im wesentlichen mit dem Gebiet des heutigen Libanon deckte, nannten die Griechen “Phönikien”, was ebenso wie die semitische Bezeichnung “Kanaan” “Land der roten Farbe” bedeutet. In der Tat waren mit dem Sekret der Purpurschnecke gefärbte Textilien das wichtigste Exportgut jenes Raumes.
Wie sich die Phönizier auf die Seefahrt spezialisierten, von Salomo aber auch als Baumeister und handwerker geschätzt wurden
Die Kanaanäer/Phönizier sahen sich genötigt, ihre Wirtschaft den neuen beengten Verhältnissen anzupassen, woraus sich geradezu der Zwang einer Spezialisierung auf die Seefahrt ergab, die ihnen auf diesem Gebiet bald einen Entwicklungsvorsprung verschaffte. Im gesamten Mittelmeeraum errichteten die Phönizier Handelsstützpunkte. Auf ihren Fahrten gelangten sie bis Westafrika und Britannien. Selbst die Machthaber der damaligen Großstaaten ließen bei den Phöniziern fahren. Die phönikischen Stadtstaaten (Ugarit, Byblos [Gebal], Arwad, Sidon, Tyrus) standen in besonders enger Beziehung zu Ägypten, das schon im Alten Reich Bauholz aus dem Libanon bezogen hatte. Intensive Beziehungen gab es auch mit dem Ägäischen Raum (Kreta, Mykene), Kleinasien und natürlich mit der näheren Umgebung: Salomo schloß mit Hiram, dem König von Tyrus, einen Vertrag, der die Lieferung von Baumaterialien und die Bereitstellung spezialisierter Handwerker für den Bau des Tempels in Jerusalem vorsah. Phönikische und die Königshäuser Israels und Judas waren durch Heirat verbunden.
Wie die Assyrer das israelitische Nordreich eroberten und die dort ansässigen zehn Stämme deportierten, die seither als “verloren” gelten, und wie Nebukadnezar im Jahre 587 den salomonischen Tempel zerstörte und die Israeliten in die babylonische Gefangenschaft führte, die Perser sie aber wieder gehen ließen
Die Assyrer eroberten 722 Israel und zerstörten Samaria. Die - seither “verlorenen” - zehn Stämme des Nordreichs (oder wenigstens ihre Führungsschicht) wurden deportiert. Juda teilte später das Schicksal des Nordreichs: Die Aramäer zerstörten 587 unter Nebukadnezar den Tempel Jahwes (“erste” Tempelzerstörung) und deportierten einen Teil der Bevölkerung (“babylonische Gefangenschaft”), dem die Perser (unter Kyros) aber die Rückkehr gestatteten. Auch der Tempel wurde nun wieder aufgebaut.
 


WIE SICH DIE ERSTEN SCHRIFTEN ENTWICKELTEN

Daß Die ägyptische Hieroglyphenschrift und die mesopotamische Keilschrift Mischsysteme aus Laut- und Begriffszeichen darstellen
Aus dem Bedürfnis der Nachrichtenübermittlung und der Speicherung von Daten und Fakten ergab sich im Alten Orient die Erfindung der Schrift. Die eigentliche Leistung bestand dabei nicht etwa darin, daß die Ägypter und Sumerer Dinge, Tiere und Menschen bildlich darstellten (das hatten viele tausend Jahre zuvor auch schon die Menschen der Altsteinzeit getan), sondern darin, daß sie viele geeignete Zeichen nicht nur als Träger des dargestellten Begriffs (Begriffszeichen, Ideogramme), sondern als Träger der entsprechenden Lautkombination, als Lautzeichen, Phonogramme, verwendeten. Die ägyptische Hieroglyphenschrift und die mesopotamische Keilschrift stellen damit Mischsysteme aus Laut

lign= "right" style="text-indent: 0pt;margin-left: 0pt;margin-top: 0pt;margin-bottom: 6pt;margin-right: 0pt;line-height: 100%;">
 
Das Ende des Mittleren Reiches war abermals von der Schwäche der Zentralgewalt und Bauernerhebungen charakterisiert. Den Schlußpunkt setzte der Einfall der aus Syrien kommenden und schwer einzuordnenden (mehrheitlich wohl semitischsprachigen) “Hyksos”, die ihre vorübergehende Herrschaft in Unterägypten dem (zuvor in Ägypten unbekannten) Pferd und ihren Streitwagen verdankten (als Reittier wurde das Pferd noch nicht verwendet).
Wie Echnaton vergeblich versuchte, die Amon-Priesterschaft zurückzudrängen
Die Wiederherstellung der Reichseinheit erfolgte abermals von Theben aus (Neues Reich). Ägyptische Heere stießen (unter Thutmosis I. [1557-1539]) erstmals. bis zum Euphrat vor. Mit Hatschepsut (1490-1468) kam ausnahmsweise eine Frau an die Macht. Amenophis IV.(1372-1354) versuchte, die allmächtige Amon-Priesterschaft auszuschalten und dem Sonnengott Aton als neuem zentralistischem Staatsgott mit dem Hang, keine anderen Götter neben sich zu dulden, zur Macht zur verhelfen, konfiszierte die Güter der Amon-Priesterschaft, brach mit den Traditionen, verlegte die Hauptstadt nach Norden (Achet-Aton / Tell el-Amarna), legte sich einen neuen Namen zu (Echnaton) und - scheiterte. Echnaton konnte mit seinen Reformen die Masse der Bevölkerung nicht mobilisieren, da sie sich von diesen keine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse erwarten konnte. Sein berühmter aber bedeutungsloser Nachfolger unterwarf sich Amon und nannte sich wieder nach ihm: Tut-Anch-Amon.
Wie Echnatons Bruch mit den Traditionen sich auch in der Kunst seiner Zeit äußerte
Echnatons Bruch mit den Traditionen äußert sich auch in dem naturalistischen Kunststil, den die Amarna-Zeit mit sich brachte, und dessen berühmtestes Beispiel die Portraitbüste Nofretetes, der Frau Echnatons, darstellt.
Daß die Auseinandersetzung mit den Hethitern um die Vorherrschaft in Kanaan mit einem Remis endete und die Ägypter auch mit der Bedrohung durch die “Seevölker” fertig wurden
Zur Zeit der 19. Dynastie (13. Jh. v.) kam es zu schweren Kämpfen mit Kanaanäern und Hethitern (einem indoeuropäisch sprechenden Volk unbekannter Herkunft, das das im zweiten Jahrtausend v. vom östl. Kleinasien aus einen bedeutenden vorderorientalischen Staat errichtet hatte) um die Herrschaft in Palästina. Die zwischen Ägyptern und Hethitern geschlagene Schlacht von Kadesch (1286) endete unentschieden, und Palästina blieb in ägyptischer Hand. Der danach zwischen Ägyptern und Hethitern geschlossene Frieden wurde durch die Heirat Ramses´ II. (1290-1224) mit einer hethitischen Königstochter besiegelt.
Wer die “Seevölker” waren und, daß zu ihnen die “Philister” und vielleicht auch die Etrusker gehörten
Einfälle der sogenannten “Seevölker” (ein Völkerkonglomerat, das im Zusammenhang mit der Ägäischen Wanderung, in deren Verlauf die Landnahme griechischer Stämme erfolgte, in Bewegung geraten war) konnten durch Ramses II. und seine Nachfolger abgewehrt werden. In ägyptische Gefangenschaft geratene Gruppen wurden in dem später nach ihnen benannten Gebiet - Palästina - angesiedelt. Es handelt sich um die “Philister”. Durch den Niedergang der ägyptischen Macht erlangten sie bald die Selbständigkeit. Einer der in einem Papyrus aufgeführten Namen der Seevölker ist übrigens möglicherweise mit dem der Etrusker zu identifizieren.
Wie letztlich doch der Hohepriester des Amon sich zum Pharao aufschwang
Als der letzte der “Ramessiden” (19. und 20. Dynastie) starb, erhob sich Herihor, der Hohepriester des Amon, zum Pharao und begründete den Gottesstaat des Amon (1085). Mit Herihor begann die Spätzeit der ägyptischen Geschichte. Ägypten war in dieser Zeit vorübergehend den Assyrern tributpflichtig, die syrisch-palästinischen Besitzungen gingen unter Necho (609-594) verloren.
Daß vermutlich schon zur Zeit des Neuen Reiches der Nil und das Rote Meer durch einen Kanal verbunden waren
Nach ihm ist der Kanal benannt, der das Nildelta mit dem Roten Meer verband und solcherart einen Vorläufer des Suez-Kanals darstellte. Vermutlich aber war diese Wasserstraße schon zur Zeit des Neuen Reichs angelegt worden und war nur versandet.
Nachdem die Perser Ägypten schon einmal (525 unter Kambyses II.) unterworfen, aber (404) wieder verloren hatten, besetzten sie es neuerlich im Jahre 341 (unter Artaxerxes III.).


WIE SICH DIE MESOPOTAMISCHEN STAATEN ENTWICKELTEN

Daß die Sumerer die Begründer der mesopotamischen Hochkultur waren
Die eigentlichen Begründer der mesopotamischen Hochkultur waren die Sumerer, die man - sprachlich gesehen - mit der (vorindogermanischen, drawidischen) frühen Induskultur (Harappa, Mohendjo Daro) in Verbindung bringt. Sie errichteten im Süden Mesopotamiens eine Reihe von Stadtstaaten, deren wichtigste Ur, Uruk, Lagasch, Kisch, Umma, Nippur und Eridu waren.
Daß im Lauf des dritten Jahrtausends semitischsprachige Stämme in Mesopotamien eindrangen und die sumerische Kultur übernahmen und weiterentwickelten
Seit etwa 3000 wanderten semitischsprachige Stämme ein, die die sumerische Kultur übernahmen und weiterentwickelten und das Zweistromland erstmals (unter Sargon um 2350) zu einem Großreich vereinigten, das knapp 200 Jahre bestand, und dessen Zentrum die Stadt Akkad war, deren Name zugleich den Oberbegriff bezeichnet, unter dem die in Nord- und Südmesopotamien gesprochenen ostsemitischen Dialekte Assyrisch und Babylonisch zusammengefaßt werden: “Akkadisch”.
Daß die Geschichte Mesopotamiens durch den Wechsel der Zentren, von denen aus sich grössere Staaten bildeten, sowie durch den Einbruch semitisch sprechender Stämme von Süden und indoeuropäisch sprechender Stämme von Norden charakterisiert ist
Die weitere Geschichte Mesopotamiens wird durch den Wechsel der Zentren, von denen aus sich größere Staaten bildeten, sowie durch den Einbruch weiterer semitischsprachiger Stämme von Süden (Aramäer, insb. Chaldäer) und indoeuropäisch sprechender Stämme von Norden (Hethiter, Meder, zuletzt Perser) charakterisiert.
Den Sumerern gelang es unter der III. Dynastie von Ur kurz vor 2000 vorübergehend noch einmal, fast ganz Mesopotamien zusammenzufassen.
Nach dem Zerfall des Reiches von Ur in kleinere Staaten vereinigte nach 1800 Hammurapi, von der bis dahin ziemlich unbedeutenden Stadt Babylon aus unter seiner Herrschaft neuerlich ganz Mesopotamien.
Daß der Codex Hammurapi die bedeutendste Gesetzessammlung des Alten Orients darstellt und durch die Prinzipien der Ungleichheit vor dem Gesetz und der Vergeltung charakterisiert ist
In der während seiner Regierungszeit verfaßten berühmten Gesetzessammlung spiegeln sich die sozialen Gegensätze der altorientalischen Gesellschaft. Der Codex Hammurapi begünstigte die Herrschenden und Besitzenden und regelte Strafmaß und Ersatzansprüche nach dem sozialen Stand der Streitparteien. Neben dieser ausdrücklichen Ungleichheit vor dem Gesetz ist das Prinzip der Vergeltung (“Auge um Auge, Zahn um Zahn”) ein hervorstechendes Merkmal dieser Gesetzessammlung.
 
Daß Codex Hammurapi und Gilgamesch-Epos grundlegende Werke der altorientalischen Literatur darstellen, die auch bei der Abfassung der Bibel als Vorbild gedient haben
Noch lange aber galt der Codex Hammurapi nicht einfach nur als Gesetzestext, sondern auch als Meisterwerk der Literatur, dem großen Epos gleichwertig, das auf sumerischen Erzählungen beruht, die von dem legendären König Gilgamesch von Uruk handeln, ein über viele Jahrhunderte weiterentwickelter Stoff, der in Babylonien unter das Leitmotiv der Suche nach dem ewigen Leben gestellt wurde. Das Gilgamensch-Epos wurde auch in andere Sprach- und Kulturkreise des Vorderen Orients übernommen (es gibt auch eine hethitische und eine churritische Version). Aus dem Text der Bibel geht hervor, daß ihren Autoren zweifellos sowohl der Codex Hammurapi als auch das Gilgamesch-Epos bekannt waren.
Wie Assur das Zentrum einer Grossmacht wurde, deren Truppen Babylon zerstörten und vorübergehend sogar Teile Ägyptens besetzten
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts besetzten die Hethiter Babylon vorübergehend. Sie waren zu Beginn des zweiten Jahrtausends gemeinsam mit anderen - gleich ihnen indoeuropäische Dialekte sprechenden - Gruppen in Kleinasien eingedrungen. Danach wurde Babylonien mehrfach von Assur unterworfen, das Zentrum eines kräftig expandierenden Staates in Obermesopotamien geworden war. Im Jahre 689 kam es (unter dem assyrischen König Sanherib) gar zur völligen Zerstörung Babylons. Assur eignete sich (671) auch Teile Ägyptens an.
Nach 1700 drangen die aus dem Iran kommenden und sprachlich schwer einzuordnenden Churriter in Assyrien ein und gründeten dort eine Reihe von Staaten, deren wichtigster das Mitanni-Reich war. Die Herrscher der Churriterstaaten trugen seit etwa 1500 indoeuropäische Namen.
Wie sich ein neubabylonisches Reich unter aramäischer Führung entwickelte und in Babylon unter Nebukadnezar ein wahrer Bau-Boom einsetzte, schließlich aber Perserkönig Kyros
in Babylon einzog
Seit etwa 1100 waren Aramäer (Chaldäer) in Babylonien eingedrungen. Bereits im Jahre 626 befreite sich Babylonien unter chaldäischer Führung von assyrischer Herrschaft. Im Bündnis mit den Medern (unter Kyaxares) eroberten die Chaldäer (unter Nabopolassar) Assyrien und machten Assur und Ninive dem Erdboden gleich.
Damit hatte die sogenannte neubabylonische Periode begonnen. Nebukadnezar (II. 605-562) unterwarf Syrien und Palästina. Während seiner Regierungszeit entfaltete sich in Babylon eine rege Bautätigkeit (Terassengärten, die “hängenden Gärten der Semiramis”, eines der “sieben Weltwunder”, ferner der “Turm zu Babel”, der etwa 90 Meter hohe Turm des dem Stadtgott Babylons [Marduk] geweihten Heiligtums).
Nebukadnezars Nachfolger Nabonid geriet in einen offenen Gegensatz mit der Marduk-Priesterschaft, der den vordringenden Persern den Sieg leicht machte. Der Perserkönig Kyros (II.) zog 539 in Babylon ein.


WIE DIE ISRAELITEN NACH ÄGYPTEN KAMEN UND HEILFROH WAREN, ALS SIE ES WIEDER VERLASSEN KONNTEN, WONACH SIE EINEN EIGENEN STAAT IN KANAAN GRÜNDETEN

Wie und warum überhaupt Nomaden in die Fruchtländer Mesopotamiens und Ägyptens kamen
Bereits gegen Ende des dritten Jahrtausends kamen semitisch sprechende Stämme auch nach Ägypten. Wie in Mesopotamien kamen sie , um die Produkte ihrer auf Kleinviehzucht beruhenden Nomadenwirtschaft einzutauschen (auf Kamelzucht spezialisierte Nomaden traten erst im 9. Jh. v. unter dem Namen “carab” auf), sie kamen als Eroberer oder - in Dürrejahren - vom Hunger getrieben, was oft das Gleiche war. Viele kamen als Kriegsgefangene. In der Hyksoszeit trugen etliche Machthaber Unterägyptens semitische Namen.
Es spricht einiges dafür, daß der Ausdruck “Hebräer” (in ägyptischen Quellen “capiru”, in akkadischen Texten “chabiru”) nicht als Bezeichnung eines Stammes, sondern einer niederen Sozialschicht zu deuten ist. Die Ägypter meinten damit jedenfalls die verschiedenen ausländischen Zwangsarbeiter. Die Bibel hingegen beschränkt die Verwendung des Begriffs “Hebräer” auf die Israeliten, die als Stammesgruppe erscheinen, die sich im östlichen Nildelta niederließ und aller Wahrscheinlichkeit nach von Ramses II. für Bauarbeiten an den Grenzfestungen Per-Atum und Per-Ramses (in der Bibel: Pitom und Ramses) herangezogen wurde, und unter dessen Nachfolger Merneptah (1224-1204) abwanderte.
daß sich die Stammesgruppe der Israeliten wahrscheinlich erst bildete, nachdem sie aus Ägypten geflohen war
Es ist wahrscheinlich, daß die als “Israeliten” bezeichnete Gruppe sich überhaupt erst im Zusammenhang mit dem Exodus, der Flucht aus Ägypten, aus einigen semitisch sprechenden Stämmen gebildet hat. Etwa gleichzeitig mit den Israeliten entwickelten sich im Raum Kanaans (Syrien-Palästina) andere Nationen aus semitisch sprechenden Stämmen: Edom, Moab und Ammon. In der Erzählung von der Offenbarung am Berg Sinai spiegelt sich vielleicht das Werden der israelitischen Nation. “Die biblische Überlieferung unterstellt, daß der zusammengewürfelte Haufen von Menschen, der aus Ägypten entrann (Num 11, 4) den Bund am Sinai auf sich nahm und von Anfang an unter dem Namen Israel in Sippen geordnet und sauber in zwölf Stämme aufgeteilt war. Diese zwölf halbnomadischen Stämme überdauern durch eine Reihe von Wundern die Wüstenwanderung - woraus hervorgeht, daß sie keine richtigen Nomaden, sondern dem Wüstenleben schlecht angepaßt waren. Sie waren offenbar ebensowenig ein starker Truppenkörper ...” In der Genesis (46,26) ist von nur 70 Personen die Rede.
Daß die Landnahme der Israeliten in Kanaan etwas von Invasion, von Heimkehr und von Sozialrevolution an sich hatte und nicht ganz so schnell und glatt vor sich ging, wie´s in der Bibel steht
Jedenfalls dürfte die “Landnahme” zunächst höchstens von einigen tausend Mann unternommen worden sein. Vieles spricht dafür, daß es sich dabei nicht (wie die Bibel das Geschehen schildert) um eine rasche, zielstrebige Invasion, sondern um einen in mehreren Schritten erfolgten Infiltrationsprozeß handelte. Verschiedene Indizien sprechen auch für eine Präsenz israelitischer Stämme (Benjamin, Sebulon) vor der Landnahme sowie dafür, daß sich das Eindringen der Israeliten mit Bauernaufständen in den verschiedenen kanaanitischen Staaten verbunden habe.
Wie sich um 1000 ein israelitischer Staat bildete und Jahwe dort eine feste Behausung bekam, daß dieser Staat aber bald in
zwei Teile zerfiel
Die Herausbildung eines israelitischen Staates beendete die Herrschaft charismatischer Stammesführer (der “Richter”). Saul wurde (1010) zum König proklamiert. Unter David (1006-966) wurde Jerusalem den Philistern entrissen und zum politischen und kultischen Zentrum eines kanaanitischen Großstaates, der bis an den Euphrat reichte. Davids Sohn und Nachfolger Salomo verlor allerdings die aramäischen Gebiete wieder. Der eine Gott der Israeliten erhielt nun im einen Staat der Israeliten mit dem (salomonischen, ersten) Tempel eine dauernde Heimstatt statt eines baulichen Provisoriums, wie es das “Stiftszelt” gewesen war. Im Allerheiligsten stand die “Bundeslade”, die die Moses übergebenen Gesetzestafeln enthielt.
Nach dem Tod Salomos zerfiel der israelitische Staat in das Nordreich Israel (mit der Hauptstadt Samaria) und das Südreich (mit der Hauptstadt Jerusalem).
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