2pt;margin-right: 0pt;line-height: 100%;">Morphin, Codein
Isochinol
teils in der Medizin, jedoch Suchtgefahr
Ergot-Gruppe
Indol
vorwiegend in der Geburtshilfe
Chinin, Coffein
anregende Genußmittel

Tabelle 1: Einige bekannte Alkaloide

Mutterkornalkaloide

Die Wirkung des Mutterkorns läßt sich nicht einem einzigen Stoff zuordnen, so daß es immer wieder gelang verschiedene Alkaloide zu beschreiben, die alle in der Ergot- bzw. Mutterkorn- Gruppe zusammengefaßt sind. Auch innerhalb der Mutterkorngruppe gibt es eine Unterscheidung in Lysergsäure-Alkaloide und Clavine-Alkaloide; in dieser Arbeit werden aber ausschließlich die verschieden Verbindungen der Lysergsäure besprochen.

Im Jahre 1875 wurde vom Franzosen Charles Tanret ein erstes Extrakt hergestellt, das er Ergotinin nannte. Es darf eigentlich noch nicht zu den Alkaloiden gezählt werden, da es eine nach heutigen Maßstäben ziemlich unreine Substanz war. Auch das 1907 entdeckte Ergotoxin ist kein einheitliches Präparat. Der Wortstamm toxin deutet bereits darauf hin, daß es mehr die giftigen, denn die erwünschten Wirkungen aufwies. Erst mit der Isolierung von Ergotamin, dem ersten reinen Mutterkornalkaloid durch Arthur Stoll 1918, begann der Höhepunkt der Mutterkornforschung. Dadurch konnte nämlich die Lysergsäure als gemeinsamer und zugrunde liegender struktureller Baustein der pharmakologisch wirksamen Mutterkornalkaloide identifiziert werden. Innerhalb der nächsten 25 Jahre wurden alle weiteren bisher bekannten Alkaloide entdeckt.,

Name
Zugehörigkeit
Entdeckung
Ergotamin/Ergotaminin
Ergotamin-Gruppe
1918
Ergosin/Ergosinin
dto.
1936
Ergometrin/Ergometrinin
Ergometrin-Gruppe
1935
Ergokristin/Ergokristinin
Ergotoxin-Gruppe
1937
[a,b] Ergokryptin/Ergokryptinin
dto.
1943
Ergocornin/Ergocorninin
dto.
1943
Ergostin/Ergostinin
dto.

Tabelle 2: Natürlichen Mutterkornalkaloide der Lysergsäuregruppe

Sämtliche Mutterkornalkaloide weisen eine tetracyclische (aus vier Ringen bestehende) Struktur auf, die man als Ergolin bezeichnet. Diese komplex aufgebaute Gruppe besteht aus Lysergsäure-Tripeptiden, in denen stets Prolin vorhanden ist, das mit anderen Aminosäure (derivate)n wie (a-Hydroxy-)Valin verbunden ist.* Neben den Alkaloiden mit der Endung -in gibt es auch deren Isomere mit der Endung -inin, die in der Regel aber unwirksam sind. Ist z.B. von Ergocornin die Rede, ist der wirksame Bestandteil gemeint, während bei Ergocorninin sämtliche acht möglichen, aber ineffektiven Stereoisomere gemeint sind.

Versuchsreihen der Sandoz AG

1935 begann in den Laboratorien des Schweizer Pharmakonzerns Sandoz ein Projekt, das sich ausführlich mit der Mutterkornchemie beschäftigte. Der Leiter dieses Projektes war Dr. Albert Hofmann. Es gelang die Lysergsäure als gemeinsamen Baustein der Alkaloide zu identifizieren und isolieren. Ziel war es, durch die Verknüpfung der Lysergsäure mit basischen Resten, Substanzen zu synthetisieren, die gezielt therapeutische Wirkungen aufweisen sollten. Zu diesem Zweck wurde eine Vielzahl von Lysergsäureverbindungen hergestellt.

Die Verbindung mit Propanolamin ergab eine mit dem natürlichen Mutterkornalkaloid Ergometrin (synonym die Bezeichnungen Ergobasin und Ergonovin) identische Verbindung, während die Verbindung mit Butanolamin eine noch wirksamere Substanz (Methergin) ergab. Die insgesamt 25. Substanz in dieser Versuchsreihe war die Verknüpfung mit Diethylamid. Man erwartete sich davon eine kreislaufstärkende Wirkung, da das damals bekannte Analeptikum Coramin ebenfalls eine Diethylamidgruppe aufwies. 1938 erstmals synthetisiert, entsprach LSD-25, so die Laboratoriumsbezeichnung, aber nicht den pharmakologischen Erwartungen, so daß man dieser Substanz keine weitere Aufmerksamkeit schenkte.

Entdeckung der psychedelischen Fähigkeiten

Im Frühjahr 1943 führte Dr. Hofmann erneut eine Synthese des LSD durch. Bei der Überführung des äußerst instabilen Stoffs in ein stabileres weinsaures Salz (Tartrat) muß ein Bruchteil der Substanz unbeabsichtigt über die Haut resorbiert oder eingeatmet worden sein. Dr. Hofmann bemerkte nach kurzer Zeit eigenartige Veränderungen, wie folgendem Bericht zu entnehmen ist:

Vergangenen Freitag, 16. April 1943, mußte ich mitten am Nachmittag meine Arbeit im Laboratorium unterbrechen und mich nach Hause begeben, da ich von einer merkwürdigen Unruhe, verbunden mit einem leichten Schwindelgefühl, befallen wurde. Zu Hause legte ich mich nieder und versank in einen nicht unangenehmen rauschartigen Zustand, der sich durch eine äußerst angeregte Phantasie kennzeichnete. Im Dämmerzustand bei geschlossenen Augen – das Tageslicht empfand ich als unangenehm grell – drangen ununterbrochen phantastische Bilder von außerordentlicher Plastizität und mit intensivem, kaleidoskopartigem Farbenspiel auf mich ein.

Ob dieser Wirkung erstaunt, beschloß er drei Tage später einen gezielten Selbstversuch durchzuführen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Unerklärlich schien, wie eine Substanz, die nur in Mikrogramm hergestellt wurde, solche Auswirkungen haben konnte. Die verabreichte Dosis betrug 250 mg, was im Vergleich zu anderen Mutterkornpräparaten äußerst gering war, nach heutigem Wissen aber eine drei- bis fünffache Überdosierung darstellt. Der folgende Bericht Dr. Hofmanns ist sehr bekannt und wird in beinahe jeder im Literaturverzeichnis angegebenen Publikation wiedergegeben. Aus Gründen der inhaltlichen Geschlossenheit sei er auch hier nicht vorenthalten:

1620: 0,5 cc. von ½-promilliger wäßriger Tartrat v. Diethylamid peroral = 0,25 mg Tartrat

1700: Beginnender Schwindel, Angstgefühl. Sehstörungen. Lähmungen, Lachreiz. […] siehe Spezialbericht

Hier hören die Aufzeichnungen im Laborjournal auf. Die letzten Worte konnten nur noch mit Mühe niedergeschrieben werden. Ich bat meine Laborantin, mich nach Hause zu begleiten, da ich glaubte, die Sache nehme den selben Verlauf wie die Störung am Freitag. Aber schon auf dem Heimweg per Rad zeigte es sich, daß alle Symptome stärker waren als das erste Mal. Ich hatte bereits größte Mühe klar zu sprechen und mein Gesichtsfeld schwankte und war verzerrt wie ein Bild in einem verkrümmten Spiegel. Auch hatte ich das Gefühl, nicht vom Fleck zu kommen, während mir nachher meine Laborantin sagte, daß wir ein scharfes Tempo gefahren seien. […]

Aber schlimmer als diese Verwandlungen der Außenwelt ins Groteske waren die Veränderungen, die ich in mir selbst, an meinem Innersten Wesen spürte. Alle Anstrengungen meines Willens, den Zerfall der äußeren Welt und die Auflösung meines Ich aufzuhalten, schienen vergeblich. […]

Soweit ich mich erinnern kann, waren während dem Höhepunkt der Krise, der bereits überschritten war, als der Arzt ankam, folgende Symptome am ausgeprägtesten: Schwindel, Sehstörungen; die Gesichter der Anwesenden erschienen mir wie farbige Fratzen, starke motorische Unruhe, wechselnd mit Lähmungen, … abwechselnd betäubt, dann wieder klares Erkennen der Lage, wobei ich zeitweise als außenstehender neutraler Beobachter feststellte, wie ich halb wahnsinnig schrie oder unklares Zeug schwatzte … Sechs Stunden nach der Einnahme hatte sich mein Zustand weitgehend gebessert. Ausgeprägt waren noch die Sehstörungen. […]

Bei geschlossenen Augen drangen ständig farbige, sehr plastische und phantastische Gebilde auf mich ein. Besonders merkwürdig war, wie alle akustischen Wahrnehmungen, etwa das Geräusch eines vorbeifahrenden Autos, in optische Empfindungen transponiert wurden, so daß durch jeden Ton und jedes Geräusch ein entsprechendes farbiges Bild, in Form und Farbe kaleidoskopartig wechselnd, ausgelöst wurde. Erschöpft schlief ich dann ein und erwachte am nächsten Morgen erfrischt mit klarem Kopf, wenn auch körperlich noch etwas müde.

Diese Beschreibung der ersten LSD-Intoxikation am 19. April 1943 beschreibt die auftretenden Symptome schon äußerst klar. Dieser Bericht bildete die Grundlage für die weiteren Untersuchungen, die zuerst innerhalb des Sandoz-Konzerns durchgeführt wurden, ehe die Entdeckung von LSD-25 bekanntgegeben wurde. 1947 wurde eine Beschreibung der ersten Versuche des Psychiaters W. Stoll, auf die in Kapitel 3: Kennzeichen der LSD-Intoxikation noch näher eingegangen wird, veröffentlicht, der noch weitere Untersuchungen anderer Forschergruppen folgten.

Zusammenfassung

Die natürliche Komponente des LSD ist die Lysergsäure; Sie ist Hauptinhaltsstoff vieler Alkaloide des schmarotzenden Mutterkornpilzes. Mutterkornvergiftungen sind geschichtlich belegt, stehen aber mit Ausnahme des eleusischen Trankes nicht in Verbindung mit bewußter Hervorrufung von Halluzinationen. Die Aufklärung der chemischen Struktur dieser Alkaloide führte zu vermehrter Forschung auf diesem Gebiet. Die Synthese des Lysergsäure-Diethylamids war Teil eines von Dr. Albert Hofmann geleiteten Projektes der Schweizerischen Sandoz AG. Die psychedelischen Eigenschaften des LSD wurden erst fünf Jahre später durch eine versehentliche Intoxikation entdeckt und durch Selbstversuche verifiziert. Erst ab diesem Zeitpunkt kann man von einer wissenschaftlichen Untersuchung dieser Substanz sprechen.

Datum
Ereignis
1500 v. Chr.
Eleusischer Kult
600 v. Chr.
Aufzeichnungen über von Mutterkorn befallenen Roggen
590
Auftreten der “St. Antonius Krankheit” (Mutterkornvergiftung)
1582
Erste Erwägung der medizinischen Anwendbarkeit von Mutterkornpräparaten in Kräuterbüchern
1676
Erkennen des Zusammenhangs zwischen Mutterkorn und dem Auftreten von Ergotismus
19 Jhdt.
Wissenschaftliche Abhandlungen über Einsatz in der Medizin
1918
Isolierung des ersten reinen Mutterkornalkaloids
1938
Erstmalige Synthese von Lysergsäure und Diethylamid zu LSD
1943
Entdeckung der psychedelischen Fähigkeiten des LSD

Tabelle 3: Zeittafel der Geschichte des Mutterkorns und seiner Alkaloide

Literaturverzeichnis

  1. Die Pflanzen der Götter, Albert Hofmann/Richard E. Schultes
    AT Verlag Aarau. Schweiz 1996

  2. Giftpflanzen, Fröhne/Pfänder
    Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. Stuttgart 1981

  3. LSD – Mein Sorgenkind, Albert Hofmann
    Klett-Cotta/dt Verlag. München 1979

  4. Gifte in unserer Umwelt, Otfried Strubelt
    Deutsche Verlags Anstalt. Stuttgart 1989

  5. Introduction – Early History of LSD, in: LSD a Total Study, D.V. Sivar Sankar
    PJD Publications Westbury. New York 1975

  6. Römpps Chemie Lexikon, Otto-Albrecht Neumüller
    Frank’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1983



Kapitel 2: Struktur

Chemie

Die Struktur des LSD, auch die räumliche, ist weitgehend gesichert. Obwohl heute die Formel dieser Substanz in jedem Lexikon zu finden ist, beruhte der Weg zu dieser Erkenntnis vor allem auf komplizierten Experimenten. Dieser Abschnitt sollte darauf hinweisen, ohne Anspruch auf vollständige Erläuterung, und die wichtigsten dabei angewandten Methoden nennen. Die im Literaturverzeichnis angeführten Publikationen sind allerdings wahrscheinlich nur für Chemiker ganz verständlich.*

Formel und Aufbau

LSD ist ein komplexes organisches Molekül, so daß die Anwendung einer Summenformel** nicht sinnvoll ist. Statt dessen findet man in der Literatur fast ausschließlich die vereinfachte Strukturformel. Gebräuchlich ist dabei die Einteilung in vier Ringsysteme und vier Reste. Ring A und C sind homocylische, Ring B und D heterocylische Verbindungen, wobei das Heteroatom stets Stickstoff ist. An den Positionen (15,16) des Benzolringes A geht dieser eine Bindung mit Ring B ein, einem stickstoffhaltigen 5-Ring. Ring B entspricht dem Pyrrol, weist aber nur eine Doppelbindung auf (Dihydropyrrol). Ring C ist ein Cyclohexan, also ein Benzolring ohne Doppelbindungen, und steht über Position (11,16) mit Ring A bzw. mit (3,16) mit Ring B in Verbindung. Ring D ist wieder heterocyclisch, ähnelt dem Pyridin besitzt aber wie Ring B nur eine Doppelbindung (Tetrahydropyridin). Ring D ist nur mit einem Ring, nämlich Ring B über die Positionen (5,10) verbunden. Die Reste R1 und R2 an Ring B bestehen im Falle des LSD nur aus H-Atomen, R3 am heterogenen Stickstoffatom in Ring D aus Methyl (CH3) und R4 besteht aus der für die Bezeichnung charakteristischen Diethylamidgruppe (CH2CH3)2.

Beim LSD-Molekül existieren zwei Asymmetriezentren, nämlich an den Atomen C5 und C8. Jedes Asymmetriezentrum steht für zwei mögliche stereoisomere Formen, so daß insgesamt vier Möglichkeiten zur Verfügung stehen: zwei rechtsdrehende Formen (d-LSD und d-Iso-LSD) und zwei linksdrehende (l-LSD und l-Iso-LSD). Die einzige pharmakologisch signifikant wirksame Substanz ist das korrekt so bezeichnete d[exter]-L[yserg]S[äure] D[iethylamid]. Wenn verkürzt von LSD die Rede ist, meint man dabei immer diese Form.

Durch gezielte Verändern des Moleküls können Derivate hergestellt und Zusammenhänge zwischen Struktur und Wirkung gewonnen werden. Diese Veränderungen beziehen sich meist auf den Amidrest R4, das Überführen der Doppel- in Dreierbindungen und Substitution an verschiedenen Positionen der Ringsysteme. Solche Überlegungen sind allerdings nur von theoretischem Interesse, höchst spezifisch und nur schwer verständlich, da sie hohes Wissen speziell auf dem Gebiet der organischen Chemie voraussetzen.*

Von Bedeutung ist auch die dreidimensionalen Struktur des LSD, die nur auf experimentellem Wege ermittelt werden konnte. Die dabei angewandte Methode ist die Röntgen-Kristall-Strukturanalyse, bei der das Lysergsäurediethylamid durch Neutralisiation in ein Salz übergeführt wird. Anschließend können anhand der Beugungsmuster die Atomschwerpunkte ausgemacht und ein räumliches Modell erstellt werden. Daneben gibt es noch die Möglichkeit mittels Orbital- bzw. Hybridmethoden (PCILO, EHT, INDO) Energieniveaukarten anzulegen, um so auf die Lage und Beziehung der Atome zueinander im Raum schließen zu können. Diese Methoden sind aber ebenfalls zu speziell und komplex, um sie hier behandeln zu können.

Interessant ist aber das Ergebnis, daß nämlich unter allen vorhandenen möglichen Varianten, die Winkel des LSD-Moleküls so gewählt sind, daß sie dem Serotoninmolekül am nächsten kommen. Außerdem existiert das sogenannte Synder-Modell, das besagt, daß unter der Annahme, daß LSD das höchst wirksame Halluzinogen ist, alle anderen Halluzinogene Ähnlichkeiten mit dessen Struktur aufweisen müßten. Tatsächlich läßt sich zeigen, daß Stoffe die zur Gruppe der Indolalkylamine oder Phenylethylamine (z.B. Mescalin) gehören, mit der räumlichen Struktur des B und C Rings des LSD übereinstimmen.

Synthese**

Die klassische Synthese, nach der auch Albert Hofmann LSD erzeugte, basiert auf der Curtius’schen Reaktion. Dabei werden Carbonsäuren durch Einwirkung von stickstoffhaltigen Säuren zu Amiden abgebaut. Im ersten Schritt muß dabei ein Lysergsäureradikal vom Ausgangsstoff, meist einem Mutterkornalkaloid, abgespalten und anschließend stabilisiert werden. Danach wird die so gewonnene Verbindung gemäß der Curtius-Reaktion in eine Diethylamid-Verbindung umgewandelt und im dritten Teil in gelöster Form in ein Tartrat übergeführt. Dies geschieht vereinfacht nach folgendem Schema.

  1. Ein Alkaloid wird mittels Hydrazid gespalten. Es kommt dabei durch Erhitzen zur Isomerisation und Entstehung einer Lösung aus Isolysergsäurehydrazid. Dann werden sie in Salze der rechts- bzw. linksdrehenden Weinsäure übergeführt und danach in die entsprechende Form der Lysergsäure konvertiert.

  2. Das Gemisch aus Lysergsäurehydrazid bzw. Iso-Lysergsäurehydrazid wird wiederum gelöst und Diethylether beigegeben. Dabei bindet ein Ethylrest an das erste Stickstoffatom, der andere durch Absprengen der restlichen Aminogruppe (NH2). Nach Extrahieren und Filtrieren können d-LSD und d-Iso-LSD getrennt werden.

  3. Nach dem Mischen des äußerst instabilen reinen d-LSD mit Weinsäure und Methanol* setzen sich große, weiße nadelförmige Kristalle ab. Diese stabile Form wird gelegentlich die Laborbezeichnung LSD-25 zum Ausdruck gebracht.

Später wurden auch andere Verfahren zur Synthese entwickelt, unter ihnen eines, bei dem selbst die an sich natürliche Lysergsäure im Labor synthetisiert wird.

Pharmakologie

Pharmakologische Untersuchungen mit LSD wurden an einer Vielzahl von Tierarten und, soweit dies möglich war auch am Menschen durchgeführt. Da die pharmakologisch wirksame Menge von LSD sehr gering ist, sind alle Angabe nur von bedingter Genauigkeit, zumal sie von Individuum zu Individuum variieren können. Pharmakodynamische Aspekte, also die Wechselwirkung zwischen Ligand und Rezeptor betreffend, werden hier nicht behandelt, sondern werden, in einem eigenen Kapitel (siehe Seite 23 pp.) gesondert besprochen.**

Pharmakokinetik

LSD wird üblicherweise oral appliziert und über den Magen resorbiert. Bei dieser Verabreichung liegt die Latenzzeit, also jene Zeit, die verstre

eutikum in der Psychotherapie

Fachbereichsarbeit aus Biologie

vorgelegt von:

Gabriel MARESCH

8C, Schuljahr 1997/98

im August 2005

Betreut von:

Mag. Günther MAUTZ



Vorwort

“Eine Droge ist eine Substanz, die, wenn man sie einer

Ratte injiziert, ein wissenschaftliches Papier zur Folge hat.”

Egerton Davis

In der hier vorliegenden Arbeit behandle ich eine Substanz, die man sich bei oberflächlicher Betrachtung wohl nur kaum als Gegenstand einer (vor)wissenschaftlichen Arbeit vorstellen kann. Als Verfasser einer Arbeit über eine illegale Droge, begibt man sich a priori in die Gefahr mißverstanden zu werden. Zu leicht können Aussagen fehlinterpretiert und man in ein Eck gedrängt werden, dem man sich nun überhaupt nicht zugehörig fühlt. Deshalb möchte ich – noch vor dem eigentlichen Vorwort – klarstellen, daß weder ich, noch, soweit ich davon Kenntnis habe, irgendeine Person, die mir beim Fortgang meiner Arbeit behilflich gewesen ist, illegalen Umgang mit einer der hier beschriebenen Drogen, namentlich LSD, hatte.

Daß eine solche Klarstellung überhaupt notwendig ist, ist bezeichnend für das, einer gewissen Skurilität nicht entbehrende, heutige Verhältnis zu Drogen wie LSD. Daß das Wissen um Psychedelika nicht sehr groß ist, war mir bewußt (die Informationen die einem Gymnasiasten darüber im Chemie- und Biologieunterricht zugedacht sind, beschränken sich zusammen auf ca. eine halbe Lehrbuchseite – und nicht einmal diese ist frei von Fehlern); folgende Mitteilung ließ mir aber der Primarius einer großen österreichischen Klinik zukommen:

Es wird ihnen wohl bekannt sein, daß es sich bei LSD um eine illegale Droge handelt, die zudem ein hohes Suchtpotential aufweist. Gerade in der Zeit der Designerdrogen, hielte ich es verantwortungslos eine Arbeit, wie die von ihnen geplante durchzuführen oder zu unterstützen.

Zum einen ist es bedenklich, wie ein leitender Mediziner über eine Substanz mit potentiellen Einsatzmöglichkeiten in der Psychotherapie ein de facto Publikations- und Forschungsverbot ausspricht, ungeachtet dessen, daß die Begriffe Suchtpotential und Designerdrogen im Zusammenhang mit LSD vollkommen unsinnig sind; zum anderen verwundert es mich welche Bedeutung, der ich mich mir selbst offenbar gar nicht bewußt war, meiner Arbeit beigemessen wird, obgleich ich nicht recht weiß, ob ich dies als Ehre auffassen soll oder nicht 11279yje83rgg1l

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt, wie schon aus der Zuordnung zum Fach Biologie ersichtlich ist, auf physiologischen, pharmakologischen, neurologischen Aspekten. Darauf bezieht sich auch das vorangestellte Zitat: daß die Aufarbeitung einer Substanz oft nur mit naturwissenschaftlichen Methoden geschieht und andere Gesichtspunkte außer acht gelassen werden. Auch bei mir sind es die Ergebnisse, die durch die Verabreichung einer Droge an Ratten gewonnen, eine (vor)wissenschaftliche Arbeit zur Folge hatten. Doch glaube ich nicht, daß diese Ergebnisse den Blick auf das Ganze trüben sollten. Ich habe ihnen dennoch in vierten Kapitel und dem Anhang breiten Raum zugebilligt, gleichzeitig aber auch anderen Betrachtungsweisen Platz eingeräumt.

Dem von mir gewählte Thema kann man mit den verschiedensten Perspektiven begegnen, sei es nun die Sichtweise eines Chemikers, Botanikers, Biologen, Physiologen, Psychologen, Psychiaters, Philosophen, Soziologen, Ethnologen oder Mystikers. Daraus folgt aber auch, daß man sich notwendigerweise einschränken muß, stets aber des über das Eigentlich über die Aufgabenstellung Hinausgehenden gewahr zu sein hat, um sicherzustellen, daß das Thema in seiner Gesamtheit mehr zu bieten hat, als die Summe seiner Teilgebiete erahnen läßt. Diese Überlegung habe ich auch dem formalen Aufbau meiner Arbeit zugrunde gelegt: Jedes Kapitel ist zwar auch eigenständig lesbar – darauf gründet sich meine Hoffnung, daß diese Arbeit auch anderen, etwa als Grundlage für ein Referat oder Spezialgebiet, nützlich sein könnte – fügt sich aber erst im Kontext mit den übrigen Abschnitten zu einem Ganzen.

Ein großer Mangel meiner Arbeit ist, daß sie hauptsächlich auf der Bearbeitung von Fachliteratur beruht und eigene Erkenntnisse nur in sehr geringem Maße beinhaltet. Daß Versuche und Experimente bei diesem Thema ausscheiden würden, war mir klar; leider ergaben sich aber auch keine Möglichkeiten Interviews zu führen. Man muß also stets bedenken, daß ich über Dinge schreibe, die ich selbst nicht erlebt, sondern quasi aus zweiter Hand erfahren habe. Das bedeutet zwangsläufig ein Defizit, welches auch durch eine noch so gewissenhafte Literatursammlung und -sichtung nicht wettgemacht werden kann, oder um es durch den ständigen Kritiker Thomas Bernhard auszudrücken:

Die Wahrheit, denke ich, kennt nur der Betroffene, will er sie mitteilen, wird er automatisch zum Lügner. Alles Mitgeteilte kann nur Fälschung und Verfälschung sein, also sind immer nur Fälschungen und Verfälschungen mitgeteilt worden. Der Wille zur Wahrheit ist, wie jeder andere, der rascheste Weg zur Fälschung und Verfälschung eines Sachverhalts.

Doch trotz dieser vernichtenden Erkenntnis – und gerade das Eingestehen dieser Erkenntnis ist unabdingbar, um die Aufrichtigkeit vor sich selbst und dem potentiellen Leser zu wahren –ist vielleicht genau diese Distanz von den Dingen für eine wissenschaftliche Bearbeitung unerläßlich, denn: jg279y1183rggg

Was hier beschrieben ist, ist die Wahrheit und ist doch nicht die Wahrheit, weil es nicht die Wahrheit sein kann. Es kommt darauf an, ob wir lügen wollen oder die Wahrheit sagen und schreiben, auch wenn es niemals die Wahrheit sein kann, niemals die Wahrheit ist.

Ich hoffe, daß dieser Wille zur Wahrheit in meiner Arbeit deutlich wird, auch wenn seine Konsequenzen, wie in den letzten beiden Kapiteln ausgeführt, vielleicht ungewöhnlich oder unangenehm erscheinen mögen.

Obwohl ich mich nun in den vergangenen zwölf Monaten dem Thema LSD von den verschiedensten Richtungen genähert, dabei viele Hundert Seiten gelesen, teils Publikationen obskurer Autoren, teils englische Fachliteratur durchgearbeitet habe, bleibt mir doch nur zu bekennen: scio me nescire und, daß ich, obgleich ich die quantitativen Grenzen, die im Rahmen einer FBA möglich sind, voll ausgeschöpft habe, doch nur an der Oberfläche kratze und von einer wirklich umfassenden Aufarbeitung sehr weit entfernt bin. Aus dem Unvermögen, das ich stellenweise der Wissenschaft anlaste, wenn sie nur punktuell beschränkt agiert, darf ich mich selbst nicht ausnehmen, da ich doch in meinem eigenen Versuch, das Ganze zu erfassen ebenso gescheitert bin. Ich bin mir dessen jedenfalls bewußt und werde wohl auch über diese FBA hinausgehend versuchen, das Bekannte besser zu ergründen und das Neues zu erschließen.

Gabriel Maresch, 4. Februar 1998

Dank

Bedanken möchte ich mich bei Dr. Günther Schaller und Prim. Dr. Franz Thalhammer für die Bereitstellung von Literatur, weiters bei meinem Betreuer Prof. Mag. Günther Mautz, dem ich etliche wichtige Impulse verdanke. Besonderen Dank auch Dr. Torsten Passie für sein Interesse an meiner Arbeit und sein Schreiben, durch das er mich motivierte.


Inhalt

 

KAPITEL 1: ENTDECKUNG 6

Mutterkorn 6

Botanik 6

Geschichte 6

Alkaloide 7

Mutterkornalkaloide 7

Versuchsreihen der Sandoz AG 8

Entdeckung der psychedelischen Fähigkeiten 8

KAPITEL 2: STRUKTUR 11

Chemie 11

Formel und Aufbau 11

Synthese 12

Pharmakologie 13

Pharmakokinetik 13

Metabolisierung 14

Toleranz 14

Pflanzliche Verwandte des LSD 14

KAPITEL 3: KENNZEICHEN DER LSD-INTOXIKATION 16

Physische Aspekte 16

Motorische Störungen 16

Vegetative Symptome 17

Veränderungen der Wahrnehmung 17

Physiologische Abweichungen 18

Psychische Aspekte 19

Veränderung des Zeiterlebens 19

Veränderung des Ichbewußtseins 20

Flashbacks 20

Variablen und Verlauf 21

Set und Setting 21

Einteilung in Phasen 21

KAPITEL 4: MÖGLICHE WIRKMECHANISMEN 23

Bisherige Überlegungen 23

Praesynaptische Hypothese 24

Postsynaptische Hypothese 24

LSD und Traum 24

Aktueller Forschungsstand 26

Beteiligte Rezeptoren 26

Das Serotoninsyndrom 27

Diskriminationsexperimente 28

Agonist oder Antagonist 28

Modulierung der Wirkung 29

KAPITEL 5: DIE LSD-PSYCHOTHERAPIE 31

Formen 31

Grundlagen 32

Indikation 34

Rahmenbedingungen und Verlauf 35


KAPITEL 6: GESELLSCHAFTLICHE SITUATION 36

Begriffsbildung 36

Medizinische Anwendung 36

Nicht medizinische Anwendung 37

Mißbrauchspotential 38

Ausblick 39

ANHANG A: DAS SEROTONINSYSTEM 41

Strukturverwandtschaft mit LSD 41

Serotoninsynthese und -stoffwechsel 42

Das serotoninerge System des Menschen 42

Anatomie 42

Serotoninerge Bahnen 43

Natürliche Wirkung 44

Rezeptoren 45

Serotonin und Geisteskrankheit 47

Biochemische Aspekte der Depression 47

Serotoninmodulierende Psychopharmaka 48

ANHANG B: CHEMISCHE FORMELSAMMLUNG 50

Serotoninkreislauf - Synthese und Abbau 50

Indolkern in Serotonin und LSD 50

Alkaloide der Lysergsäure-Gruppe 50

Paritelle Synthese des d-LSD 51

Verwandte Psychedelika 51

ANHANG C: ZUR PHYSIOLOGIE DES GEHIRNS 51

Anatomie des ZNS 52

Rückenmark 53

Rautenhirn 53

Mittelhirn 54

Kleinhirn 54

Zwischenhirn 54

Großhirn 55

Das Neuron als funktionelle Einheit 56

Der Zellkörper 57

Das Axon 57

Synaptische Terminals 57

Die Dendriten 58

Die Gliazellen 58

Signalübertragung im Gehirn 58

Das Neuron im Ruhezustand 59

Entstehung eines Aktionspotentiales 59

Kommunikation via Neurotransmitter 59

ANHANG D: BEILAGEN 61

Erklärung 61

Quellennachweis 61

Index 62


Kapitel 1: Entdeckung

Mutterkorn

Die natürliche Komponente des halbsynthetischen LSD ist die Lysergsäure. Dieser Stoff kommt zusammen mit einigen seiner Derivate im sogenannten Mutterkorn vor. Das Mutterkorn ist ein parasitärer Pilz, dessen Existenz dem Menschen schon lange bekannt ist und dessen Wirkungen eng mit der Geschichte der menschlichen Zivilisation, bereits seit der Antike, verflochten sind. Dieser Aspekt soll nur gestreift werden, hat er doch nur indirekt mit dem LSD zu tun. Dennoch scheint es mir wichtig, auf die mannigfaltige Bedeutung des Mutterkorns, sei es nun als Bestandteil von mystischen Tränken, als Auslöser schrecklicher Krankheiten oder als Ausgangsprodukt von Arzneimitteln, hinzuweisen.

Botanik

Abbildung 1: Mutterkorn

Bereits seit dem klassischen Altertum sind schmarotzende Schlauchpilze bekannt, die verschiedene Gräser und Getreide befallen und welche meist als Gift betrachtet wurden. Diese Schmarotzerpilze gehören zur Claviceps-Gruppe, deren wichtigster von ca. sechs verschiedenen Vertretern der Mutterkornpilz Claviceps purpurea ist. Er befällt meist Roggen oder Wildgräser und bildet auf seiner Wirtspflanze durch die Aufzehrung des Fruchtknotengewebes ein Dauermycel, das sogenannte Sklerotium. Es entwickeln sich anstatt der Getreidekörner schwarz-violette keulenförmige Gebilde, die etwas größer als diese sind. Bei einem Querschnitt zeigt sich ein Scheingewebe mit einer Vielzahl von stark verflochtenen Zellen (Pilzhyphen). Die Entwicklung der Pilze der Claviceps-Gruppe umfaßt zwei Lebenszyklen: eine Wachstumsperiode und eine Ruheperiode. Das Mutterkorn ist dabei ausschließlich die überwinternde Form des Sklerotiums in der Ruheperiode.,

Geschichte

Der Mutterkornpilz ist in den gemäßigten Zonen Europas, Asiens, Nordafrikas und Nordamerikas verbreitet. Ausführlich dokumentiert ist aber nur sein Vorkommen in Mitteleuropa, meist im Zusammenhang mit Massenvergiftungen. Es gibt aber auch Hinweise, daß Mutterkorn in der Kultur des Altertums bewußt als Halluzinogen eingesetzt wurde.*

Im frühen Mittelalter traten in besonders feuchten und regenreichen Sommern, Bedingungen die die Entwicklung der Schmarotzerpilze fördern, oft epidemieartige Erscheinungen, infolge einer Verseuchung des Brotes durch Mutterkorn auf. Die Krankheit trat in zwei Formen auf: der Brandseuche (Ergotismus gangraenosus) und Krampfseuche (Ergotismus convulsivus).

Die Erkrankung äußerte sich zunächst in Form von starker Hitze, Kribbeln, Ameisenlaufen, Pelzigkeit und Taubheitsgefühl an den Fingern und Zehen. […] Im weiteren Verlauf traten am ganzen Körper Blasen auf, die sich infizierten und zum trockenen Gewebstod (schwarzer Brand) der betroffenen Körperteile führten. Als Folge fielen Finger, Zehen, Nasenspitzen, Ohren und in schweren Fällen ganze Gliedmaßen ab. […] Häufige Symptome der Vergiftung, die oft tödlich verlief, waren Delirien und Halluzinationen. ,

Die Bezeichnungen “ignis sacer”, heiliges Feuer, und “Antoniusfeuer” verweisen auf die im Mittelalter weit verbreitete religiöse Einstellung zu Krankheiten als Strafe Gottes. Tatsächlich nahm sich nur der Orden des Heiligen Antonius der am Ergotismus Erkrankten an. Als im 17. Jahrhundert der Zusammenhang zwischen mutterkornhaltigem Brot und den Vergiftungserscheinungen erkannt wurde, konnte die Seuche rasch durch bessere Kontrolle der Getreideverarbeitung vermieden werden. Dennoch trat der letzte bekannte Fall von Ergotismus noch in den Jahren 1926/27 in Rußland auf.

Obwohl vorher schon von Hebammen angewandt, fand das Mutterkorn erst etwa zu Beginn des vorigen Jahrhunderts Eingang in die Schulmedizin. Auf die Verwendung in der Geburtshilfe deutet ja bereits der Name Mutterkorn hin. Anwendung fand es zuerst als Mittel zur Beschleunigung der Geburt, da es gebärmutterkontrahierend wirkt. Wegen der Gefahren die eine unzuverlässige Dosierung mit sich bringt, werden Mutterkornpräparate heute nur mehr zur Stillung von Blutungen herangezogen. Grund dafür sind die gefäßverengenden Wirkungen der Inhaltsstoffe des Mutterkorns, die bei zu hoher Dosierung zu Durchblutungsstörungen und Gewebstod, ähnlich wie beim Ergotismus, führen können.,

Alkaloide

Die Wirksubstanzen einer Vielzahl von Pflanzen, so auch des Mutterkorns, gehören zur Gruppe der Alkaloide. Es sind dies stickstoffhaltige Naturstoffe, die teils komplexe Ringsysteme bilden, aufgrund derer man sie chemisch näher klassifizieren kann. Viele dieser Alkaloide können heute, da ihre Struktur geklärt ist, auch synthetisch hergestellt werden. Sie zeigen meist schon bei kleinen und kleinsten Dosen massive Wirkung, so daß es nicht verwundert, wenn auch viele Drogen zu den Alkaloiden gerechnet werden.

Alkaloid
Ringstruktur
Verwendung
Nikotin
Pyridin
Genußmittel
Coniin
Pyridin
Gift des Schierlings
Cocain
Tropan
Rauschgift, Lokalanästhetikum
Atropin
Tropan
Gift der Tollkirsche
Morphin, Codein