Krebs Bescheid, war ihre Bereitschaft selbst an einer Krebsvorsorgeuntersuchung teilzunehmen signifikant größer.
Zur Frage, ob persönliche Faktoren und Verhaltensweisen des einzelnen als Einflußmöglichkeit auf den Verlauf der Krankheit zu sehen sind, hoben 88% die Bedeutung des Genesungswillens hervor. 44% betonten die „therapeutische Compliance“ und etwas mehr als ein Viertel bezeichneten die Änderung der bisherigen Lebensweise als notwendig. Auch Jonasch (1985) fand, daß 85% der Krebskranken und 82% der Nichterkrankten angaben, die Heilungsaussichten wären abhängig vom seelischen Zustand des Patienten und von dessen persönlicher Einstellung zur Krankheit (Verres 1986).
Im Sinne des „Greifens nach jedem Strohhalm“ gaben 22% der Befragten an, sie würden im Falle einer eigenen Krebserkrankung auch „nichtärztliche“ Hilfe wie z.B. Heilpraktiker und Wunderheiler oder „Einnahme paramedizinischer Mittel“ (Verres 1986) in Anspruch nehmen. Weitere 28% gaben an dies vielleicht zu tun. Jeder zweite Befragte zeigte also die Bereitschaft, auch nichtmedizinische Ansätze in ihrer Krebsbehandlung zu integrieren.
3.9. Geschlechtsspezifische Auffälligkeiten
Zusammenfassung von Verres (1986, S. 235): Bezüglich der sozialen Folgen von Krebskrankheiten und des möglichen eigenen Umgangs mit Krebskranken sprachen Männer eher als Frauen von Verschlossenheit und Verheimlichung. Frauen zeigten sich eher als Männer bereit zu offener Kommunikation und zur Akzeptanz von Krebskranken. Frauen betonten deutlicher als Männer die Bedeutung von Angst als wesentliches Merkmal von Krebserkrankungen. Bei der narrativen Erzählung miterlebter Krebserkrankungen zeigten Frauen insgesamt intensivere Affekte als Männer, insbesondere mehr Hoffnung und auch mehr Hoffnungslosigkeit.
3.10. Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
Subjektive Krankheitstheorien sind nicht kohärent und widerspruchslos, sondern komplex und emotionalen Einflüssen unterworfen. Das Bedeutungsumfeld der Krebserkrankungen aus der Sicht von Laien wird sicherlich nicht nur durch aufgenommene medizinische Sachinformation geprägt, sondern auch durch die intersubjektive Verarbeitung real miterlebter Krebserkrankungen. Will man also die subjektive Bedeutung der Krebserkrankung aus der Sicht der Laien verstehen, so muß man mitbedenken, welche persönlichen Erfahrungen Laien mit Gesundheit, Krankheit und Behandlung verbinden.
Die häufigsten Vorstellungen bezüglich des „Wesens von Krebs“ betrafen eine tödliche Perspektive, einen unberechenbaren Verlauf und die Gefährlichkeit von Krebserkrankungen. Aber auch Vorstellungen darüber, daß das Leben bei Krebs „intensiver“ werden könne wurden von über 50% der Befragten spontan geäußert.
Hinsichtlich der Ätiopathogenese standen an erster Stelle die Kategorien Luftverschmutzung, Gift in der Nahrung sowie die Lebensweise (falsches Essen und Trinken, Rauchen und Alkohol). Jeder zweite Befragte nahm Schicksal, Pech oder Zufall als Krebsursache an. Zahlreiche Personen nahmen auch Angst vor Krebs als einen Risikofaktor für Krebserkrankungen an, was laut Verres (1986) „einen vermeidenden Umgang mit dem Thema Krebs überhaupt erklären kann“.
Während 81% aller Personen das generelle Krebsrisiko für Menschen als sehr groß bzw. ziemlich groß einschätzten, stuften nur 24% ihr eigenes Risiko als sehr groß bzw. ziemlich groß ein. Nach Verres (1986) stoßen „offenbar Appelle, die das persönliche Risiko hervorheben, mit großer Wahrscheinlichkeit auf Mechanismen psychischer Abwehr“.
Anhang: „Zeitungsente? Krebs erschnüffelnder Hund“
von A. Behling (1996)
„SAD Tallahassee, 26. Januar 1996
Ein Hausarzt und ein pensionierter Hundetrainer habe einem Schnauzer beigebracht, Hautkrebs zu erschnüffeln. Dr. A. Conetta und D. Pickel arbeiteten daran in Tallahassee (Florida) zwei Jahre lang unter wissenschaftlichen Methoden. Während Ärzte in den USA durchschnittlich nur 80% aller Melanome an ihren Patienten erkennen, erreichte "George" in 40 Versuchen innerhalb eines Jahres eine Genauigkeit von knapp 100 Prozent.
Cognetta und Pickel begannen "Georges" Ausbildung mit Reagenzgläsern, gefüllt mit Proben. Dann stellte sich eine Krankenschwester mit zur Verfügung, die sich in etlichen Tests Bandagen mit Harmlosen Proben und Krebsproben umwickelte und den Schnauzer schnüffeln ließ. Wenn "George" eine bestimmte Bandage oder Körperstelle als karzinogen einstuft, schnüffelt er besonders lange und setzt sich dann hin, als wollte er sagen: "Das ist das Problem." Auf Aufforderung des Trainers, "Zeig es mir!", legt "George" auch vorsichtig seine Pfote auf die Stelle. "George", eigentlich auf Bomben abgerichtet, versteht mehr als 100 Handzeichen.
Cognetta hatte die Idee zu dem Versuch durch einen Artikel in einer medizinischen Fachzeitschrift. Dort berichtete eine Frau, sie habe sich ein Muttermal entfernen lassen, weil ihr Hund immer daran herumschnüffelte und sogar hineinbiß. Später stellte sich heraus, daß es sich um ein Melanom handelte.
Pickel erklärt, im Gegensatz zu der Krankenschwester, an der George geübt hatte, hatten die Testpersonen keine parfümierte Seife genommen. Andere Gerüche wie Rauch oder Parfüm haben vermutlich den Schnauzer auch verwirrt. (wohl die Begründung warum man nicht volle 100 Prozent Erfolg erreicht hat!!!)“
Literatur
Behling, A. (1996)
Schnauzer George kämpft gegen den Krebs.
http://fub46.zedat.fu-berlin.de:8080/~behling/krebshund.html
Herkner, W. (1991)
Sozialpsychologie. Verlag Hans Huber: Bern; Stuttgart; Toronto.
Ulich, D. (1982)
Das Gefühl. Einführung in die Emotionspsychologie. Urban & Schwarzenberg: München.
Verres, R. (1986)
Krebs und Angst. Subjektive Theorien von Laien über Entstehung, Vorsorge, Früherkennung, Behandlung und die psychosozialen Folgen von Krebserkrankungen. Springer Verlag: Berlin.